#15 Dopamin, Kreislaufwirtschaft & Hitze - Dein Weg zu guten 100+ Jahren
Shownotes
In dieser fünfzehnten Podcastfolge 'How to enjoy 100+' erkunde ich die Mechanismen unseres Gehirns, um uns erfolgreich neue Gewohnheiten und Denkmuster anzugewöhnen. Die wir direkt beim Bohren dicker Bretter, dem Nachhaltigkeitsthema Kreislaufwirtschaft, anwenden können.
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03:22 Wie kann ich mich im besten Sinne selbst manipulieren? Glücksbotenstoffe wie Dopamin sorgen in unserem Gehirn dafür, unser Verhalten an neue Rahmenbedingungen anzupassen. Die Neuropsychologin Dr. Anni Richter von der Universitätsmedizin Magdeburg erforscht die Glücksbotenstoffe am Mensch: wie kann die Ausschüttung bewusst gesteuert werden, reagieren Mann Frau alt jung unterschiedlich, wirkt Dopaminfasten bei Suchtgefahr, welche Trigger funktionieren und wie kann das Belohnungssystem ausgetrickst werden - ein Sack voll Hacks bringt sie uns mit, Experimente basiert, wie wir neue Routinen finden und den inneren Schweinehund überlisten.
40:32 In Japan gibts kaum Mülleimer. Aber auch kaum Müll. Und jede Menge Hundertjährige! Um diese Erkenntnis reicher aus seiner Japanreise zurück nähern wir uns genau dieser Frage an, ob eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft unsere Langlebigkeit erst möglich macht bei endlichen Ressourcen, sinkender Biodiversität und spürbaren Klimafolgen. Der Gründer und CEO der Circular Valley Stiftung Dr. Carsten Gerhardt bringt Einblicke aus den Unternehmen mit und Empfehlungen, auf was wir Konsumierende achten können, um Greenwashing zu entlarven. Und verrät uns den grössten Hebel für erfolgreiches kreislaufwirtschaften - so genial wie naheliegend.
01:13:50 Schützende Routinen an Hitzetagen Die Sonne knallt, das Thermometer steigt, was hilft? Tipps für den Alltag, um den Sommer unbeschadet zu geniessen.
SHOWNOTES
Mehr zu den Circular Valley Aktivitäten gibt's hier
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Nicola: Herzlich willkommen zurück und hallo beim Podcast zu Langelebigkeit, unserem gemeinsamen Weg, hoffentlich die besten Jahre noch zu erleben und vielleicht sogar die 100 plus zu erreichen. Wie immer mit zwei tollen Experten, die uns so viel Wissen an die Hand geben und gutes Ideenfutter, damit wir direkt in die Umsetzung gehen können, besser, erfüllter und selbstbestimmter älter zu werden. In dieser Folge geht's dem Schweinehund an den Kragen. Also ihr wisst schon, diese kleine fiese Stimme in euch, die euch immer wieder davon abhält, schlechte Gewohnheiten loszulassen. Dopamin statt Disziplin. Das ist das Thema mit der ersten Expertin. Und die gibt uns wirklich so viele Tipps mit, wie wir diesen Schweinehund besiegen können, dass ich es direkt in einen Take Away gepackt habe, das ihr downloaden könnt. Und wenn ihr dann schon ins Machen kommen wollt, dann guckt doch auch mal bei der 100 plus Community auf WhatsApp vorbei. Da findet ihr ganz viele Buddys, die mit euch gemeinsam motiviert sind, ins Machen zu kommen. Der Schweinehund ist auch das Thema beim zweiten Experten. Und zwar geht es um den Schweinehund in den Unternehmen. Also da, wo produziert wird und wo Kreisläufe dafür sorgen könnten, dass wir weniger Ressourcen brauchen, damit dem Planeten helfen und ja, und damit auch unsere eigene Langlebigkeit von uns Menschen garantieren. Und der Wirtschaftsfachmann, der hat eine einfache wie geniale Idee, ganz großen Hebel anzusetzen, wie wir für alle einen tollen Kreislauf auch etablieren können. Kreislauf, was ist ein Kreislauf? Kreislauf ist ja auch hier Wiederverwertung und ich sitze hier auf einer wunderschönen Bank und diese Holzlatten, die waren in ihrem ersten Leben, waren die auf einem Boot. So und als das ausgemustert wurde, wäre das ja normalerweise das Holz vernichtet worden, wahrscheinlich verbrannt. Und daraus ist aber diese tolle Bank geworden, die ich von ganz lieben Freunden geschenkt bekommen habe zur Eröffnung meiner Tee-Lounge an der KÖ. Also wir können alle sehr, sehr viel machen und darauf achten, dass wir auch beginnen in Kreisläufe in Wiederverwertung zu denken. Und die große Überraschung dieser Podcast-Folge ist für mich wirklich der 100-plus-Experten-Tipp. Denn beide Experten sowohl Die Expertin aus der Psychologie als auch der Experte aus der Wirtschaft, ja, bringen uns dieselbe Maßnahme nahe, weil ich ja immer am Schluss eines Gesprächs frage, wenn sie uns eine Maßnahme mit auf den Weg geben würden, wie wir möglichst die Langlebigkeit auch erreichen. Ja, da sind beide zum selben Schluss gekommen, fand ich sehr spannend. So, jetzt hören wir mal rein bei Disziplin? Nein, Dopamin hilft.
Nicola: Hallo Anni! Schön, dass du da bist und die Zeit gefunden hast. Anni Richter aus Magdeburg. Du bist Neuropsychologin an der Universität Magdeburg. Davor beim Leibniz-Institut für Neurobiologie. Und von dir erhoffe ich mir heute, dass du mir dabei hilfst, den inneren Schweinehund zu überlisten. Dass ich neue Alltagsroutinen finde.
Anni Richter: Hallo Nicola.
Nicola: ⁓ gesünder, besser, schöner, alt zu werden und vielleicht noch darüber hinaus. Weil du fokussierst deine Arbeit auf den Mensch und dabei unter anderem auf die Glücksbotenstoffe, sowas wie Dopamin. wie das uns helfen kann, besser älter zu werden und vielleicht noch länger zu leben, das will ich heute gern mit dir besprechen. Und zum Start
Anni Richter: Hm?
Nicola: Eine kleine persönliche Frage an dich. Nutzt du eigentlich dein Wissen über diese Glücksbotenstoffe, also wie du dich im positiven Sinne selbst manipulieren kannst für deinen eigenen Alltag?
Anni Richter: Sehr gute Frage. Ja, das versuche ich schon, aber ich habe auch noch mal jetzt in Vorbereitung auf unser Interview festgestellt, dass es doch noch mehr Möglichkeiten gibt, die ich auch für mich umsetzen könnte. Und auch für mich ist das hier heute noch mal ein kleiner Reminder, was man alles machen kann, worauf man achten könnte und vielleicht besser fühlen kann.
Nicola: Schau mal! Das freut mich schon mal, dass immer gut vom Reden ins Machen zu kommen, weil meistens mangelt es uns ja nicht an Erkenntnissen oder am besseren Wissen, sondern an der Sache zu sagen, okay, wie kriege ich es auf die Straße. Deswegen vielleicht holst du uns mal ab, wir sind ja Laien oder ich zumindest bin Laie auf diesem Gebiet, diese Glücksbotenstoffe, Dopamine, liest man sehr viel Serotonin. Was machen die im Körper und warum hat sie die Natur uns gegeben?
Anni Richter: Vielen Ja, manchmal kursiert auch so der Name Glückshormon und tatsächlich ist Dopamin und Serotonin sind beides keine Hormone, sondern sind sogenannte Neurotransmitter oder Neuromodulatoren, also die unter anderem auch bei uns im Gehirn vor allen Dingen wirken und da im Mittelhirn wird das Dopamin hergestellt und wirkt dann aber in unterschiedlichsten Regionen bei uns im Gehirn und hat auch tatsächlich nicht nur
Nicola: Mhm.
Anni Richter: und auch gar nicht mal so viel mit Glück an sich zu tun, sondern hat bei ganz vielen unterschiedlichen Leistungen unseres Körpers spielt es eine Rolle und unseres Gehirns vor allen Dingen. Zum Beispiel auch beim Antrieb, bei der Motorik, bei der Belohnung, bei der Motivation oder eben auch bei verschiedensten kognitiven Prozessen.
Nicola: Ja. Das heißt, die Natur hat es uns geschenkt, also nicht Glückshormone, sondern ich nenne sie jetzt mal einfach Glücksstoffe, damit wir uns sozusagen über die Evolution an neue Rahmenbedingungen anpassen.
Anni Richter: Genau. Also Dopamin hilft uns tatsächlich so bisschen dabei, uns an die Umwelt anzupassen, festzustellen, wo vielleicht sich auch etwas verändert hat. Was müssen wir machen? Wie müssen wir unser Verhalten jetzt regulieren und anpassen? Es hilft uns dabei, die Belohnungen, die guten Gefühle, die guten Ergebnisse zu maximieren und wird eben dann ausgeschüttet, wenn uns etwas Positives wiederfährt oder wenn wir gute Rückmeldung bekommen, sodass wir dann im Verlauf
Nicola: Mhm.
Anni Richter: oder im Folgenden dieses Verhalten dann auch wieder häufiger zeigen, um dann eben wieder diese gleichen Glücksgefühle oder die gleichen positiven Momente zu erzeugen.
Nicola: Also wenn ich es nicht bewusst, sage ich mal, steuer und manipulieren will, ist das dann so ein Automatismus, dass ich dann noch mal ein Verhalten, wo ich belohnt wurde, auch wenn ich es aktiv gar nicht mehr so mir bewusst habe, also ist schon auch so bisschen Automatismus von meinem Körper.
Anni Richter: Unser Gehirn liebt Automatismen, weil die sehr energieeffizient und energiesparend sind. Das sind bestimmte Verhaltensweisen, die sich dann auch durchaus einschleifen können. Mit unserer Forschung am Leibniz-Institut oder an der Uni Magdeburg haben wir auch verschiedene Belohnungsexperimente, Lernexperimente mit unseren freiwilligen Versuchsteilnehmern gemacht, die zeigen konnten, dass insbesondere auch das dopaminerige System
Nicola: Ja, das ist gut.
Anni Richter: eben solche Automatismen auch in eine bestimmte Richtung reguliert. Das ist zum Beispiel beim Belohnungslernen so, dass das dopaminerige System da aktives Verhalten fördert, insbesondere wenn dieses aktive Verhalten zur Belohnung führt. Und ganz schlecht ist es tatsächlich für uns oder ganz schwierig ist es für uns, das haben wir bei über 300 Probanden zeigen können, etwas nicht zu machen um Belohnung
Nicola: Mhm. Mhm.
Anni Richter: bekommen. Also sich zurückzunehmen, zu inhibieren, sich zu kontrollieren und dann
Nicola: Ja, ja.
Anni Richter: vielleicht trotzdem einen belohnten Response zu kriegen, ist für uns unglaublich schwer zu lernen. ja, dieser Automatismus, da hängt das Dopaminsystem auf jeden Fall auch mit zusammen.
Nicola: Bei mir ist gerade so, deswegen ist auch das Thema Verzicht für uns so schwierig. Hängt das damit zusammen? wenn mir jemand oder die Politik, ist ja auch oft in der Diskussion sozusagen aufruft, Verzicht zu üben, ist das ja nicht aktiv zu werden, sondern passiv... Ach, jetzt ist okay.
Anni Richter: Genau. Dieser Link ist wirklich sehr, schwierig für uns zu lernen. Also sich zurückzunehmen, Verzicht zu üben, dann am Ende vielleicht doch einen positiven Outcome zu erreichen. Tatsächlich war es in dem Experiment, das war ein Verhaltensexperiment einfach am Computer, wo die Probanden dann als Belohnung Geld gewinnen konnten. Und fast alle Probanden haben auch mit aktiven Verhalten in der Aufgabe reagiert und eigentlich fast gar keiner hat erst mal
Nicola: Ja, ja. Ja, ja.
Anni Richter: sich zurückgelehnt und geschaut, was passiert. Alle wollten sofort aktiv werden, diese Belohnung auch zu kriegen. Also, Dopamin hängt sehr stark auch mit der
Nicola: Schau mal, also erstmal beruhigen die Ihr experimentiert nicht mit Tieren, sondern mit Menschen. Das ist schon mal gut zu wissen. Also es ist eine eins zu eins Weitergabe an uns zu Hause und die Masse von euren Ergebnissen. Jetzt wird mich gerade mal von den Teilnehmern interessieren. Merkt ihr Unterschiede, ich weiß nicht, ob das so untersucht wirkt, zwischen Mann und Frau oder älteren Menschen und jüngeren Menschen?
Anni Richter: mit aktiven Verhältnissen. Also Mann und Frau war tatsächlich bis jetzt kein Hauptaugenmerk meiner Forschung. Es gibt aber Untersuchungen, die zeigen, dass es da durchaus Unterschiede gibt im Dopaminergensystem. Das hängt unter anderem auch mit den Hormonen zusammen, wie Östrogen oder Testosteron. Also auch bei Frauen ist es zum Beispiel auch nicht immer gleich, wenn man dann wiederum hormonelle Kontrazeptiva einnimmt, das ist auch nochmal wieder anders. Also das ist ein sehr komplexes Zusammenspiel.
Nicola: Das Mhm. Ja. Ja,
Anni Richter: aus unterschiedlichsten Faktoren und unterschiedlichsten
Nicola: ja.
Anni Richter: chemischen Stoffen im Endeffekt. Und ja, da gibt es Unterschiede zum Beispiel in der Dopaminfreisetzung zwischen Männern und Frauen, in der Sensitivität. Auch die Anreize sind durchaus unterschiedlich. Also wir hatten mal eine Studie, haben wir nicht, oder da haben wir auch Geld wieder als Anreiz genutzt, aber auch, dass wir den Probanden mal lächelnde Gesichter präsentiert haben.
Nicola: Ja.
Anni Richter: Bei der Auswahl der Stimuli haben wir uns schlau gemacht, was funktioniert da gut. Und lächelnde Frauengesichter,
Nicola: Ja.
Anni Richter: die funktionieren eigentlich über beide Geschlechter hinweg sehr gut. Bei lächelnden Männerngesichtern, das wirkt eigentlich nur bei Frauen hauptsächlich gut. so Anreize sind auch durchaus unterschiedlich. Allgemein sagt man da auch Männer bevorzugen da vielleicht auch mehr so riskantere Sachen vielleicht auch oder Sachen.
Nicola: Okay. Ja.
Anni Richter: die mehr so auch das Ego anregen. Frauen eher soziale Sachen als Belohnung, soziale Interaktion. Also Geschlechterunterschiede sind durchaus vorhanden, aber bis jetzt in meiner Forschung kein Hauptaugenmerk und haben wir auch bis jetzt nicht gefunden. Alterseffekte sind auch sehr bedeutsam. Also das dopaminere System ist sehr großen Schwankungen im Laufe des Alters ausgesetzt.
Nicola: Ja. Ja. Uah!
Anni Richter: Im jungen Alter ist es vor allen Dingen hinsichtlich des aktiven Verhaltens, hinsichtlich der Neugier unterstützt, dass man da eben viel lernt, viel aufnimmt. Und da hatten wir auch eine Studie zusammen, ja, University College London und auch mit dem Karolinska-Institut, die dann eben zeigen konnte, dass in jungen Jahren dieses aktive Verhalten ist, sehr sensitiv gegenüber Belohnung und Bestrafung, sodass man sehr gut Neues lernen kann.
Nicola: Ja. Ja. Mhm.
Anni Richter: Und im höheren Erwachsenenalter ist die Belohnungs- und Bestrafungssensitivität etwas geringer.
Nicola: Ja.
Anni Richter: Zumindest haben wir das auch in unserer Studie so zeigen können. ja, diese Automatismen, die wir ja schon angesprochen haben, sind da tatsächlich noch bisschen stärker dann auch aufgetreten. Genau. Ja, dann lasse ich dir erst mal wieder Raum zum Fragen. Entschuldigung.
Nicola: Ja. Ja, das sind ja alles, spielt sich alles schon von meinem inneren Bild ab. die Frage auch, das heißt, könnte man sagen, je älter wir werden und je weniger neugierig wir vielleicht auch in Konsequenz sind, umso weniger Ausschüttungen haben wir zu erwarten. Oder hängt das mehr mit der Aktivität ab?
Anni Richter: und
Nicola: Was meinst du?
Anni Richter: Das ist sicherlich auch ein Zusammenspiel. Das sind beides gute Punkte. Interessant beim Dopaminsystem ist auch, das waren so Pionierarbeiten von Wolfram Schulz vor allen Dingen, der das tatsächlich dann auch vorrangig im Tier untersucht hat, aber auch auf den Menschen konnte man das schon gut generalisieren. Dass quasi die Dopaminausschüttung am Anfang
Nicola: Ja.
Anni Richter: dann erfolgt, wenn wir das positive Erlebnis haben. Und wenn wir das Ganze dann wiederholt erleben, dann erfolgt die Dopaminausschüttung bereits vorgesetzt. im Zeitraum der Antizipation, also so eine Art Vorfreude sozusagen. Also dass wir
Nicola: Ja. Ja. Ja. Ja.
Anni Richter: dann schon eine Belohnung erwarten und dann explizit das Verhalten zeigen, das zu dieser Belohnung führt. Und das funktioniert besonders gut so im jungen Erwachsenenalter.
Nicola: Ja.
Anni Richter: Und eine Studie, die ich gerade im Kopf habe, da war es tatsächlich so, dass bei den älteren Probanden das schon nicht mehr so stark ausgeprägt ist. Da war dann das dopaminerige Signal tatsächlich hauptsächlich wieder auf dem Feedback, also auf der tatsächlichen Belohnung sozusagen.
Nicola: Ja. Ja.
Anni Richter: Also, dass da im älteren, erwachsenen Alter vielleicht doch erst wieder dann zählt, wenn man es tatsächlich in der Hand hat und bekommt. und in jüngeren Jahren, jüngeren Erwachsenenalter insbesondere diese Antizipation, diese Vorfreude hilft, unser Verhalten zu steuern und zu lernen.
Nicola: Das ist ja alle super spannend, liebe Anni. Bei mir ist es nämlich so, ich brauche immer so eine große Karotte. Das ist ja dann die Belohnung. Und die muss so vor mir hängen. Und es ist natürlich auch so, dass so eine Sofortbelohnung mich direkt wieder motiviert. Also jetzt nehmen wir mal ein Beispiel. Ich will morgens Gymnastik machen. Ich kann jetzt im Bett liegen bleiben oder ich kann früher aufstehen und das machen. Wenn ich aber merke, dass es mir tagsüber dann besser geht. und ich da aktiver bin, dann habe ich ja eine Direktbelohnung. Diese Langfristbelohnung, dass ich im Alter dann noch mobiler sein werde und bessere Gelenke, ist ja so weit weg, das wird mich morgens nicht aus dem Bett bringen. Ist das so ein Zusammenhang wahrscheinlich, ne?
Anni Richter: Genau, das ist ein bereits bekannter Zusammenhang auf jeden Fall. In den 1960er Jahren war da ein bekanntes Experiment an der Stanford University von Michel. Und zwar ist das die sogenannte Marshmallow-Aufgabe oder der Marshmallow-Test. Also wo man bei Kindern dann den Marshmallow hingelegt hat und dann gesagt hat, wenn du den jetzt zehn Minuten lang nicht anrührst, kriegst du einen zweiten.
Nicola: Ja. Ja? Ja. Ja.
Anni Richter: Und ja, das ist tatsächlich noch unglaublich schwierig für Kinder. Das ist diese sogenannte Delay Discounting Effect. Also, dass wir quasi eine Belohnung, die in der Zukunft liegt und je weiter sie in der Zukunft liegt, dass wir die abwerten. Also, das ist dann für uns automatisch weniger belohnend und spricht dann quasi auch weniger unser dopamineriges System an. Und es fällt uns schwieriger, uns dafür zu motivieren. Ja, uns da trotzdem darauf einzustellen. Das sind meistens so Gesundheitsthemen oder Nachhaltigkeitsthemen, eben so abstrakt und oft so weit in der Zukunft sind, dass es da wirklich unglaublich schwer ist, sich dafür zu motivieren. Und deshalb ist es sinnvoll, sich da kleine Ziele zu schaffen, die dann auch immer wieder mit kleinen Belohnungen und kleinen Feedbacks dann zu verknüpfen, ⁓ da trotzdem etwas zu erreichen. Eine Sache, die du auch gerade gesagt hast, ist da tatsächlich auch sehr hilfreich, und zwar dieses Bild der Karotte. Also so diese
Nicola: Ja.
Anni Richter: Diese Visualisierung, visuelle Stimuli sprechen sehr gut unser dopamineriges System an. Und auch
Nicola: Also es spielerisch eher anzuwenden,
Anni Richter: Gameification spricht auch sehr gut unser dopamineriges System an. Genau.
Nicola: aber auch sich vielleicht vorzustellen.
Anni Richter: Genau, das nutzen natürlich ja Spieleentwickler, Entwickler, Social-Media-Entwickler für sich aus, aber wir können das natürlich auch ein Stück weit mit für uns ausnutzen. Es gibt auch jetzt was so Klimaschutz oder so was angibt, gibt es ja zum Beispiel auch Apps, die dann die ersparen ist an CO2 oder so was mit Tracking, also dass man da auch kleinere, kürzere Rückwirkungen und Rückmeldungen schon mal kriegt und
Nicola: Ja, absolut. Vielen Dank.
Anni Richter: bei dem Gesundheitsempfinden eben auch, dass man sich dann selber nochmal vielleicht ja vorstellt oder so in sich hineinhorcht und merkt, das hat mir jetzt aber wirklich gut getan. Und dass man das, also diese Belohnung auch dann nochmal mit aktiv wahrnimmt und sich verändert.
Nicola: ⁓ ja, also dass man schon noch mal so abends im Bett noch vor dem Einschlafen sich so überlegt, was hat mir heute besonders gut getan oder
Anni Richter: Mh.
Nicola: Hängt denn auch das mit dem Dopamin zusammen, wenn man immer so liest aus der Verhaltensforschung, es braucht so zwei bis drei Monate, bis sich ein neues Verhalten sozusagen verankert hat als Routine. Hängt das auch mit dem Dopamin zusammen?
Anni Richter: Ja. Genau, also das ist wirklich gut, dass Sie das ansprechen oder dass du das ansprichst. Damit wir jetzt hier die Zuhörer auch nicht entmutigen, die jetzt vielleicht noch nicht nach ein, zwei Tagen da sofort einen Erfolg sehen. Also das braucht natürlich seine Zeit. Also dieser innere Schweinehund, dieser eingetrampelte Pfad. braucht erst mal ein Bewusstsein von uns, das überhaupt wahrzunehmen und auch der aktive Wille, das zu ändern und das dann auch umzusetzen. Also
Nicola: Ja. Ja. Mh.
Anni Richter: Das braucht dann eben auch seine Zeit, wie du das sagst, vielleicht zwei, drei Monate oder sechs bis acht Wochen. Es gibt aber auch zum Beispiel Studien der Ruhr-Universität Bochum, die haben die Computerspielsucht untersucht. ja, Sucht ist auch durchaus eng verknüpft mit dem dopamineren System, da das dopaminerige System eben nicht nur auf gute Verstärker, sag ich jetzt mal, anspricht, wie eben die soziale Interaktion, gutes Essen oder
Nicola: Mhm. Ja. Vielen
Anni Richter: andere Erfolge, sondern eben auch auf schlechte Sachen, auf süchtig machende Sachen, unter anderem dann auch Drogen, aber auch diese Computerspiele. Und wenn man da wirklich in so einen ungünstigen Kreislauf reingekommen ist, ist es auch schwierig, dort wieder herauszubrechen. Und da hatten die Wissenschaftler zeigen können, dass es so zwei Wochen in etwa braucht, wo man dann wirklich abstinent war gegenüber diesen Computerspielen.
Nicola: Okay. Ja.
Anni Richter: das Dopaminsystem sozusagen gerebooted hat, also auf so einen Normalzustand wieder zurückgefahren hat, der dann auch wieder nachhaltiger war und auch wieder dann ermöglicht hat, dass man sich wieder wohlfühlen konnte und auch gemäßigt wieder anfangen konnte zu spielen.
Nicola: Ja. Das heißt, wenn wir jetzt so über den Überhang an Dopamin, also Dopaminausch, da ist Gaming, glaube ich, du sagst, oder auch zuckerhaltiges Essen, fettreiches Essen ein gutes Beispiel, da ist es schon so, dass man sagt, man muss vielleicht durch zwei Wochen durch, wo man sich da bewusst zurückhält und man hätte dann zumindest die Möglichkeit, wie du sagst, Rebooten, dass man sagt, man kann dann noch mal auf einem neuen, niedrigeren Sockel aufsetzen.
Anni Richter: Ja. Vietnam,
Nicola: sich davon frei zu machen. Ich finde, an Süchten oder Räuschen bindet es so viel Energie in meinem Kopf, also an Gedanken und so, weil man ja die ganze Zeit dran denkt. Dann hat man keine Zeit für andere Dinge mehr.
Anni Richter: Ja, da ist dann quasi auch der Gegenvorschlag, dass man nicht die komplette Abstinenz oder den kompletten Detox macht, sozusagen. Den DG oder den Dopamin-Detox, Dopamin-Fasten sind alles solche Begriffe, die da vorkommen. Aber wenn man so komplett macht, dann kann das auch sein, dass da dann auch wiederum ungünstige Gefühle ausgelöst werden. Also innere Unruhe, Stress auf einmal, dadurch, dass man sich dann gar keine Freiräume zu dem
Nicola: Ja. Ja.
Anni Richter: vorherigen, ja alltäglichen Verhalten mehr einräumt. Und da ist quasi der Gegenvorschlag, dass man das dann auch wieder in so einer Art Intervallfasten macht oder
Nicola: Okay, ja.
Anni Richter: bestimmte Regeln schafft, wie zum Beispiel abends vor dem zu Bett gehen die letzte Stunde, dass man da dann diese bestimmten Verhältnisse nicht mehr macht, zum Beispiel jetzt auch Social Media oder sowas nicht mehr nutzt oder
Nicola: Ja. Ja. Ja.
Anni Richter: im Urlaub sich das einschränkt oder dass man sich bestimmte Regeln überlegt, die man einhalten
Nicola: Ja.
Anni Richter: möchte. Dann kann man immer wieder in sich hineinhorchen, überlegen, funktioniert das jetzt für mich oder bin ich jetzt noch gestresster als vorher? Dann kann man das nämlich einfacher anpassen. Das ist dann besser als so ein kompletter Cut.
Nicola: Also wenn ich merke, dass mich etwas zu sehr stresst, vielleicht weil ich die Latte zu hoch gehangen habe. Ich nehme noch mal ein anderes Beispiel, wenn ich jemand bin, die ganze Zeit snackt, also immer so Gummibärchen rumliegen hat und Schokolade und so weiter. Wenn ich das sozusagen komplett streiche, dann stresst mich das schon, weil ich ja sozusagen nichts mehr habe. Wenn ich aber sagen würde, ich darf vormittags einmal, nachmittags einmal und noch zum Feierabend einmal, dann ist es schon weniger als zuvor und würde dieses positive, natureigene Bestätigen, dass es besser ist, würde das unterstützen.
Anni Richter: Ja, wo wir jetzt Thema haben, Essen, Süßigkeiten essen, Chips essen oder so was, da gibt es tatsächlich auch noch so ein anderes Phänomen, die sogenannte Food Cure Reactivity. das ist quasi so eine Verbindung von kontextuellen Informationen mit Essen. Also das funktioniert leider sehr, sehr schnell. Zum Beispiel, wenn ich mal meine Lieblingsserie habe und die gucke und dann dabei Chips esse, dann wird das ganz schnell zu so einem Suchtverhalten. Also sowas sollte man
Nicola: Ja. Ja.
Anni Richter: auch vermeiden.
Nicola: Okay, oder man sagt dann, okay, jetzt habe ich es schon drin, die Serie will ich ja weiterhin gucken. Man sagt, okay, nur jede zweite Serie, das was ich bislang und dazwischen, was weiß ich, Gemüse-Sticks. Also hört sich jetzt nicht so spannend an, das man dann alternativ zu den bestehenden Ritualen schafft oder austauscht.
Anni Richter: Ja, das ist gut. Also das nennt sich auch intermittierende Verstärkung. Also das ist quasi, dass man es nicht zu vorhersehbar eigentlich macht. Also nicht immer wieder auch das Gleiche passiert, sondern auch mal nicht.
Nicola: Ja. Ja.
Anni Richter: dann mal wieder schon, dann mal mehr, mal weniger. Also, man da auch durchaus eine Variabilität drin hat. Das ist nämlich auch, worauf das dopaminerige System tatsächlich sehr gut reagiert. Und das nutzen aber auch wiederum die Spieleentwickler durchaus aus. Dass es dann mal groß und mal kleine Belohnungen gibt, unvorhersehbar. Also, man kann es quasi immer in die eine Richtung nutzen. Oder wenn man sich dessen selber bewusst wird, dann auch für sich in die andere, bessere Richtung nutzen und umsetzen.
Nicola: Ja. Ich versuche gerade mal schon Zwischenfazit zu ziehen, weil du so viele Hinweise gibst, also von Dingen, die jeder von sich, glaube ich, im Alltag schon nachvollziehen kann und sagt, ⁓ deswegen ist das so. Das ist nicht, weil ich so schwach bin und so. Man macht sich ja dann auch die Vorwürfe und das ist wieder der Stress, den du erwähnt hast. Also was ich schon mal mitnehme ist, also das mit dem Verzicht ist wirklich kein erfolgsversprechender Weg. Also es muss immer mehr ins Positive gehen. Dann gibt es einfach Unterschiede zwischen Mann und Frau, auch bei dem Thema hängt mit den Hormonen zusammen. Was ich sehr witzig fand, jetzt nochmal das Bild, das ist ja auch so für die Kommunikation und für die Werbung, dass also eine freundlich lächelnde Frau für alle funktioniert, sag ich mal. Und freundlich lächelnde Mann eher für die Frauen, aber für die eigene Peer Group, die vielleicht eher so ein... ernst und kraftvoll und vielleicht so als Macher vor allem nicht unbedingt so ist. Das ist ja so für Videomachen oder Kommunikation einfach, wenn man Beispielmenschen zeigt, wie sie es umsetzen, ist ja auch, da fällt mir ein anderes Beispiel ein, dass ältere Menschen auch nicht unbedingt ältere Menschen sehen wollen in der Werbung, sondern sich ja eher immer selbst jünger sehen und deswegen eigentlich
Anni Richter: Ja.
Nicola: bisschen jünger, also nicht zu jung, aber das fällt mir noch mal dazu ein. Und das Thema dieser Sofortbelohnung, also eine Sofortwirkung, sodass dann auch dieser Langzeiteffekt, den man ja mit kommunizieren möchte, gerade bei Nachhaltigkeitsthemen, die du erwähnt hast, ist das so. Also da macht momentan eigentlich Politik alles falsch, oder? Also es geht nur um Verzicht. Und es geht immer nur darum, was in fünf, zehn, fünfzig Jahren alles besser werden soll und gar nicht was konkret jetzt. Ja, aber es sind natürlich auch langatmige Themen, aber auch da könnte man mal anders drüber nachdenken. Dann gibt es auch das Gegenteil, dass zu viel Dopamin rauscht, also diese Junkies, was genutzt wird von geschäftstüchtigen Branchen. Das kann man unterbrechen mit dem sogenannten, sag ich mal, eher fasten.
Anni Richter: Ja, das ist wirklich ein schwieriges Thema, ja.
Nicola: was man mal einsetzt. Das kennt man auch als Intervall fasten. sind ja so Begrifflichkeiten, die kennt man schon so ein bisschen. Das ist dieser Rausch. Noch mal zu den etwas älteren Menschen. Im Vergleich zu den jungen, wir hatten es da mit der Neugier und so. Hat das auch was, also das eine ist, wenn man neugierig bleibt, kriegt man ja auch immer wieder neue Erlebnisse. Man lernt neue Dinge, geht vielleicht neues Hobby an und so weiter. Heißt diese Neuroplastizität? Die wird vom Dopamin getriggert oder brauche ich die, Dopaminausschüttungen hervorzurufen? Ist da Henne Ei?
Anni Richter: Ja, das ist schwierig zu beantworten, würde ich sagen. Auf jeden Fall spielt das zusammen. Ganz wichtig, dass du das gerade noch mal genannt hast, die Neuroplastizität. Wir brauchen uns nicht aufgeben. Das ist alles noch plastisch. Wir können da immer noch was bewirken und machen. Ups, jetzt habe ich kurz den Faden verloren.
Nicola: Ja. Ja. Genau, ist die Neuroplastizität ein Grund, warum Dopamin ausgeschüttet wird oder fördert Dopamin die Neuroplastizität?
Anni Richter: Genau. Ja, sowohl als auch, würde ich sagen. Gerade dieses Aktivverhalten, das Wohlbefinden, spielt dann wiederum zusammen und kann dann auch gegenseitig unterstützen und fördern. Und gerade, dass wir dann ja auch länger aktiv bleiben, unsere kognitiven, neuronalen Ressourcen zum Beispiel dann auch weiterhin gut nutzen können, spielt dann auch wieder zum längeren und gesünderen Leben bei.
Nicola: Spielt zusammen! Ja. Ja. Ja.
Anni Richter: Wir haben auch hier in Magdeburg einen großen Sonderforschungsbereich zu den kognitiven Ressourcen und wie wir die im Alter dann auch noch stärken und verbessern können. Und das sind wirklich interessante Themen. Und insbesondere auch, also wir haben bis jetzt auch über das normale Älterwerden geredet, aber es gibt zum Beispiel auch die Alzheimererkrankungen. Und auch da bildet Dopamin mit eine Rolle und es kann quasi helfen.
Nicola: Ja. Hmm. Ja.
Anni Richter: das dopaminere System dazu fördern, da auch länger mobil zu bleiben. Sowieso gibt es auch noch diverse andere Erkrankungen und Krankheitsbilder, wo das Dopaminsystem eine Rolle spielt, auch in jüngeren Jahren. Sei es bei Schizophrenie, Depression, ADHS, dann insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Also es ist quasi nicht nur das Älterwerden, es ist nicht nur Mann, Frau, es ist auch die Genetik.
Nicola: mhm Ja,
Anni Richter: Es sind diese
Nicola: ja.
Anni Richter: Krankheitskontrollen. Also Dopamin ist wirklich so viel und ist überall mit dabei. Das ist sehr, komplex.
Nicola: Dann möchte ich doch nochmal, das war jetzt ein ganz spannender Punkt, also du sagst, das Dopaminere-System zu fördern, das habe ich schon richtig verstanden. Das wird dadurch schon gefördert, indem ich offen neugierig bleibe für Neues oder muss ich auch was bestimmtes essen zum Beispiel oder trinken, also gibt es bestimmte Nährstoffe.
Anni Richter: Okay, das ist interessant. Das weiß ich tatsächlich gar nicht. Ansonsten im Sinne von Belohnung und gut schmecken, also gutes, leckeres Essen ist auf jeden Fall auch für uns belohnend. Schokolade regt da schon auch das Dopaminsystem an. Aber ob jetzt bestimmte Nahrungskomponenten da mit Dopamin zusammenhängen, wüsste ich jetzt gerade nicht.
Nicola: Das heißt, das wird ... Ja, ja, ja, ja, ja, ja. Vielleicht noch mal ein neues Forschungsgebiet, keine Ahnung, aber wahrscheinlich gibt es das irgendwo. Aber das wäre auch nochmal spannend. Aber du hast uns schon so viel Erklärung gegeben für ein eigenes Verhalten, was man an sich selbst beobachten kann. Du hast mich auch ein bisschen erleichtert, ehrlich gesagt, in dem Gespräch, dass nicht nur alles mit meinem eigenen Willen zusammenhängt, so nach dem Motto, der Wille ist schwach oder das Fleisch ist schwach, der Wille ist stark, das Fleisch ist schwach. Aber Karotte und Schweinehund mit Bildern zu kommunizieren und sich auch selbst das so vorzustellen, ist auf jeden Fall etwas, was das befördern würde. Ja, dann komme ich jetzt zu meiner letzten Frage leider schon bei dir. Das ist immer die 100 plus Expertinnen Frage. Wenn du uns eine Maßnahme mit auf den Weg geben kannst, nur eine, wie wir das Thema Dopamin im guten Sinne für uns ausschöpfen können, ⁓ gesündere Routinen zu entwickeln, welche Maßnahme wäre das?
Anni Richter: Ja, für mich ist es tatsächlich, das in sich reinhorchen und herausfinden, wo ist man da vielleicht schon in Regelkreise reingekommen, die ungünstig für einen sind. Also das ist tatsächlich auch noch mal so ein Thema, das haben wir jetzt heute noch gar nicht so richtig angesprochen, denn beim Dopamin ist es auch so was wie eine Toleranzentwicklung. Also das heißt, wenn wir uns immer wieder so exzessiven Dopaminen Schüben, aussetzen, also jetzt im ganz krassen Beispiel wäre das jetzt beim Drogenkonsum, dann kommt es
Nicola: Ja. Ja.
Anni Richter: zu der sogenannten Toleranzentwicklung, also dass wir uns irgendwann an so ein gewisses Level gewöhnen und dann brauchen wir mehr, den gleichen wohlführenden Effekt zu erreichen. Und man kann das auf unterschiedlichste Verhaltensweisen dann wiederum runterbrechen. Bei mir wäre das tatsächlich jetzt auch so bisschen dieser Zusammenhang mit Social Media, dass man da doch ein bisschen zu viel scrollt und dass man da immer mal in sich hineinhorcht und feststellt,
Nicola: Ja. Mhm. Mhm.
Anni Richter: Wo ist was zu viel, wo ist da ein Kreislauf, den ich gar nicht mehr so selbst in der Hand habe? Und dass man dann da überlegt, was man da machen kann. Also das ist gerade für mich auf jeden Fall auch ein Thema, wo ich denke, das ist für mich eine Stellschraube zu besserem Wohlbefinden. In sich reinhorchen, wo ist es zu viel mit Social Media und dann Grenzen setzen und Versuchen einzuhalten.
Nicola: . Ja, ja, ja. Das ist ein sehr schöner Aspekt, weil ich finde, das auf sich selbst zu hören, also aufs eigene Bauchgefühl nenne ich es jetzt mal, das wird von uns total unterschätzt. Wir denken ja immer, wir brauchen nur Experten, so wie dich, die sind natürlich super, oder wir brauchen nur Ratschläge oder müssen von außen was bekommen. Aber vieles liegt ja schon in uns selbst und viele sagen dann, ach, das ist mir alles zu esoterisch oder wie auch immer wo ich sage, nee, es hat nichts mit esoterisch zu tun. Das hat was mit einem, wie man sich selbst spürt auch und fühlt und Selbstwirksamkeit, was wir ja alle haben wollen zu tun. Ganz herzlichen Dank, Anni, du hast mich heute richtig happy gemacht. Ich glaube, du hast heute Dopamine in mir ausgeschüttet. Ich merke es richtig auf einer Welle.
Anni Richter: Genau, Selbstwirksamkeit.
Nicola: Ich würde dich am liebsten mit als Coachin in unsere Challenges nehmen. Wir versuchen, 30 Pflanzen pro Woche zu essen. Ich glaube, das geht noch ist ein bisschen einfacher. Aber dieses Bewegen, vier Stunden bewegen, was wir auch mit einem Demenzforscher hatten, der auch überraschenderweise gesagt hat, ja, von den 168 Wochenstunden vier Stunden zu bewegen, ist die größte Risikovorsorge, die nachgewiesen ist, gegen Demenz. Wo ich sage, ja. Was braucht man noch? Aber das ist so weit weg, dass man denkt, ach, das mache ich, wenn ich alt bin. Wenn man aber merkt, ich gehe abends spazieren und fühle mich danach besser und kann sogar besser schlafen, ist das vielleicht so dieser kleine Schritt, den du auch schon erwähnt hast. Also, für heute ganz herzlichen Dank für deine Zeit, für deine inspirierenden und sehr konkreten
Anni Richter: genug.
Nicola: Tipps und Empfehlungen und wir sprechen uns wieder, mal zu resumieren, oder, was daraus geworden ist und was so aus der 100-plus-Community vielleicht noch an Fragen gekommen sind.
Anni Richter: Super, sehr gern. Vielen Dank.
Nicola: Ja, heute erstmal ganz liebe Grüße nach Magdeburg.
Nicola: Erstaunlich, oder? Wie wir im besten Sinne unser Gehirn manipulieren können, ⁓ wirklich zu besseren Gewohnheiten zu kommen. Also uns mehr zu bewegen, uns besser zu regenerieren und auf eine gesündere Ernährung zu achten. Und sehr hilfreich fand ich zum Beispiel auch diese ganzen Experimente, die sie uns erklärt hat, wo genau das schon nachgewiesen ist, dass wir unseren inneren Schweinehund überlisten können. und wie wichtig diese Dopaminausschüttung eben sein kann, erfolgreich zu sein. Lad dir die Take Aways runter. Also ich nutze das wirklich als Spickzettel jetzt in meinem Alltag, weil immer wenn ich denke, verdammi nochmal, jetzt habe ich es wieder irgendwie nicht hingekriegt, gucke ich da wirklich nochmal drauf und denke mir, ja, schau mal, ich versuche es jetzt mal mit dem Trick oder dem anderen. Und dieses in sich reinhören, bin ich ja ein sehr großer Freund davon. Weil ich finde, bei dem ganzen Daddeln und Googeln vergessen wir dass eigentlich unser Körper zu uns spricht und oftmals schon besser weiß, was für uns gut wäre und wozu wir eigentlich auch schon bereit wären. Ich kann euch zwei Tipps geben, die ich in letzter Zeit ja für mich umgesetzt habe, weil ich gemerkt habe, irgendwie ist das nicht mehr so toll. Also der erste Tipp ist, Kaffee ohne Milch zu trinken. Ich habe immer früher so viel Milch. so wenig Kaffee, dann ist Laktoseintoleranz festgestellt worden. Habe ich also alles Milch weggelassen in meinem Leben, aber diesen ganz kleinen Schluck Milch im Kaffee, auf den konnte ich nie verzichten. Und dann kam die Hafermilch und dann habe ich Hafermilch genommen. Und dann ging es los. Es wurde mir echt zu mühsam, die ganze Zeit zu gucken, gibt es da Hafermilch, egal ob zu Hause oder auf Reisen. Ich musste mich immer drum kümmern. Oder wenn ich beim Italiener war und der mich dann angeguckt hat, wie Hafermilch und ich dann zugebe, muss ich haben. Ich war total genervt. Ich hab's weggelassen und die große Karotte, dass ich das durchgehalten habe und meine Geschmacksnerven sozusagen neu trainieren konnte auf reinen puren guten Kaffee, das hat mir echt die Karotte gegeben. dass ich nicht mehr der Milch hinterher laufe, sondern dem guten Kaffee. Und die zweite Karotte, die ich bekommen habe, ist, dass mein Intervallfasten, das ich mache, also ich fange in der Regel erst mittags am frühen Nachmittag zu essen an, habe aber morgens immer meinen Kaffee schon mit diesem kleinen Schluck Milch genommen. Und seit ich den auch weglasse, spüre ich, dass die Effekte des Fastenzeitraums viel besser zum Tragen kommen. Das zweite Beispiel ganz kurz ist, ich habe in der letzten Zeit gemerkt, dass mir Alkohol nicht mehr gut tut. Und ich bin durchaus eine Weinfreundin. Also ich liebe es, ein Glas Wein zu trinken, mache das auch gerne alleine, aber natürlich auch in Geselligkeit. ja, für mich ist es auch immer so ein Übergang von der Arbeitszeit in den Feierabend mit einem guten Glas Wein zu beginnen. Ich habe einfach gemerkt, das tut mir gar nicht mehr so gut. Und jetzt habe ich vor ein Wochen beschlossen, okay, du trinkst zu Hause gar kein Alkohol mehr. Und ja, die große Karotte, die sich dann gezeigt hat, ist hey, mein Hüftgold. Mein Hüftgold schmilzt. Allein deshalb, weil ja zum Beispiel in einem Glas Wein so viele Trauben verarbeitet sind, mit so viel Fruchtzucker und Zucker ist Zucker und das setzt sich direkt auf die Hüfte. Und ja, und das fällt jetzt weg und also, ist ein sehr schönes Gefühl. Dieses in sich reinhören, und jetzt kommen wir zum zweiten Experten, ist ja eigentlich nicht so eine Business Sprache. Aber wenn Unternehmen und Führungskräfte mal sich kurz besinnen und überlegen, was würde meinem Unternehmen wirklich nachhaltig, langfristig helfen, gesund zu bleiben, dann würden sie auf Kreislaufsysteme kommen. Denn die halten ein Unternehmen nicht nur gesund, sondern vermeiden auch zu große Abhängigkeiten, dauernd neue Ressourcen besorgen zu müssen, was in der heutigen Zeit wirklich in einzelnen Fällen zu einem riesen Problem schon geworden ist. Und darüber spreche ich mit einem Wirtschaftsfachmann, der viel in Unternehmen unterwegs ist und für alle, jetzt sagen, ach nee, mit Wirtschaft habe ich nicht so viel am Hut, bleibt dran, hör zu, weil der hat eine geniale Idee für uns alle, wie wir einen großen Hebel von Kreislauf gegen Müll neu etablieren könnten.
Nicola: Hallo Herr Dr. Carsten Gerhard.
Carsten Ralph Gerhardt: Hallo Frau Baumgartner
Nicola: Ich bin sehr neugierig auf unser Gespräch. Sie sind Doktor der Physik, haben wir gerade festgestellt. Ich dachte, der Philosophie, das wäre noch besser gewesen, denn als Partner von EY ehemals Ernst Young, ist das ja eine Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft und sie sind viel in Unternehmen unterwegs, in den ganz kleinen Start-ups genauso wie in den mittelgroßen und ganz großen Unternehmen. Aber vor allem sind sie Gründer und Stiftungs-CEO von Circular Valley. Das ist eine der führenden Initiativen zum Thema Kreislaufwirtschaft. Und da sie ja tagtäglich in den Unternehmen selbst vor Ort sind, interessiert mich heute mit ihnen die Frage bzw. die Antworten, denen wir uns vielleicht annähern können, inwieweit die Langlebigkeit des Menschen, uns Menschen eigentlich davon abhängt, dass die Unternehmen erfolgreich Kreislaufwirtschaft betreiben. Denn wir wissen ja, die Ressourcen sind endlich. Die Biodiversität ist eher im Rückgang und den Klimawandel, den beginnen wir alle so langsam zu spüren, egal ob wir daran glauben oder nicht. Und zum Start eine ja eher persönliche Frage an Sie. Dieses Konzept der ewigen Langlebigkeit, also des Kreislaufwirtschaftens. Inwieweit setzen Sie das auch privat in Ihrem ganz persönlichen Bereich
Carsten Ralph Gerhardt: Nun, versuche schon meinen persönlichen Fußabdruck in dem Maße, wie es möglich ist, zu minimieren. habe mich ja in der Vergangenheit auch für Projekte eingesetzt, die einen gewissen Umfeld nutzen haben, wenn sie die Nordbahn-Trasse in Wuppertal nehmen. Also die Umfunktionierung eines alten Schienenweges zu einem Fußrad- und Inlandskettingweg hat ja doch sicherlich zu bedeutenden CO2-Einsparungen geführt. Von daher im Kleinen, bei Mülltrennen, bis zu größeren Projekten wie der Nordland House oder Circular Valley versuche ich hier meinen Beitrag zu leisten.
Nicola: Und dieses Konzept der Langlebigkeit, der persönlichen Langlebigkeit, ist das etwas, woran sie arbeiten oder sagen sie, naja, es kommt, wie es kommt.
Carsten Ralph Gerhardt: Persönliche Langlebigkeit meinen sie ein langes Leben für mich selbst. Nun, ich versuche natürlich ein gutes langes Leben, ja. Ich versuche schon, mich gesund zu ernähren, was nicht immer leicht ist bei all den Verführungen des Marketings der Lebensmittelindustrie, aber ...
Nicola: Ein gutes langes Leben, richtig?
Carsten Ralph Gerhardt: Ich lebe beispielsweise heute auf den Tag seit drei Wochen zuckerfrei. Das ist ersten Mal in meinem Leben der Versuch, eine industrielle Zucker auszukommen. Da merkt man erst, in wie vielen Dingen der drin ist. Das ist jetzt aktuell mein kleines, persönliches Projekt zur vielleicht größeren Langelebigkeit.
Nicola: ⁓ Ja? Ja. Ja sehen Sie, dann lesen Sie fleißig die Zutatenlisten auf den Produkten, die Sie essen.
Carsten Ralph Gerhardt: Ich, ja, also man hört es ja schon hier und da und von daher, ich lese sie jetzt nicht detailliert, aber im Hinterkopf schwingt schon mit, wo denn überall der Industriezucker drin ist, nicht nur da, wo man so unmittelbar erwarten würde.
Nicola: Mhm. Mhm. Mhm. Mhm.
Carsten Ralph Gerhardt: sondern auch in Stoffen wie Joghurt oder Ketchup. Also dessen bin ich mir durchaus bewusst und versuche jetzt dementsprechend zu handeln.
Nicola: Also ich weiß jetzt nicht, ob die Karotte bei Ihnen für den Zuckerentzug sozusagen eher eine körperliche ist, da Sie sagen, ich möchte ein Pfunde verlieren oder eine generell gesundheitliche. Aber diese Karotte, die wir Menschen brauchen, die ist verhaltenswissenschaftlich ziemlich gut beleuchtet. Also wir reagieren nicht auf Verzicht. Das mögen wir gar nicht. Also das Gehirn schenkt uns da nicht. Glückshormone. Genauso wenig aber sind das so Langzeiteffekte, auch von denen fühlen wir uns nicht so richtig getriggert. Erleben Sie das in den Unternehmen auch? Kommen wir erstmal auf die Unternehmensseite, dass diese Konzepte in Kreislaufwirtschaft, naja, sehr, doch sehr langfristige Zielsetzungen haben und die Sofortwirkungen meistens erstmal viel Mühe und Kosten wahrscheinlich sind.
Carsten Ralph Gerhardt: Ja, da sprechen Sie einen ganz wichtigen Punkt an. Absolut. vielen Unternehmen wird ja eher in Quartalen. denn in die Karten gedacht. Und wir reden hier über eine ganz große generelle Umstellung der Wirtschaft von einem linearen Verhalten, wie man so schön sagt, take, make, dispose hin zum Denken in Kreisläufen. Und was wir sehen, ist, dass allerorten es eigentlich ein gutes Grundverständnis gibt der Notwendigkeit und gleichzeitig doch in einer sehr arbeitsteiligen Wirtschaft, in den meisten Industrien jedes Unternehmen ja nur einen kleinen Teil seiner Wertschöpfungskette abdeckt. Immer schnell gesagt wird, ich würde ja, aber alle anderen müssen auch und dann fehlt häufig derjenige, der das Ganze zusammen bindet. Es ist so ein Stück weit manchmal wie ein Orchester, dem der Dirigent fehlt, wo alle Einzelnen gut spielen können, aber trotzdem braucht es jemanden, der an der Stelle hilft und den Taktstock schwingt.
Nicola: Mhm. Mhm. Hätten Sie Beispiele für uns, vielleicht auch die Kundenseite, vielleicht sogar von uns Privatmenschen im B2C-Bereich, vielleicht haben Sie auch ein anderes Beispiel, wo der Druck von Kundenseite vielleicht auch größer wurde und dann reagiert wurde oder ist das nur schön Schönfärberei die man sich so wünschen würde?
Carsten Ralph Gerhardt: Mmh. Ich weiß nicht, ob ich es zwingend Druck nennen würde, aber es gibt schon eine gewisse Nachfrage und definitiv auch eine Zahlungsbereitschaft auf Kundenseite, wenngleich die häufig negiert wird. eine der häufigsten Diskussionen, die ich so mitbekomme im Kreis der Wirtschaft ist, wenn der Kunde denn nur bereit wäre, dafür zu zahlen. Und an der Stelle bin ich durchaus der Ansicht, dass sehr viele Kunden, also sicherlich mehr als die Hälfte, bereit sind, einen gewissen
Nicola: Vielen Mhm.
Carsten Ralph Gerhardt: Aufschlag zu zahlen, aber der muss sich im Rahmen halten. Und ich glaube, wir sehen das bei ganz vielen Produkten. So Preisaufschläge von 5, maximal 10 Prozent, wenn sie mit einem klaren ökologischen oder sozialen Nutzen verbunden sind, die werden bezahlt. Und darüber hinaus, wird es dann schwierig. Und das kann ich verstehen. Ja, weil warum muss ein Produkt
Nicola: Okay. Mhm.
Carsten Ralph Gerhardt: 30, 40, 50 Prozent mehr kosten, weil in seinen Materialien, die am Gesamtwert des Endprodukts ja nur einen kleinen Teil ausmachen, weil in diesen Materialien beispielsweise Rezyklate oder naturnahe Einsatzstoffe verwendet werden. Also es ist so bisschen schade, dass Mehrwert am Anfang der sogenannten Wertschöpfungskette bei den Materialien häufig nicht nur eins zu eins durchgereicht wird, sondern dass der auf jeder folgenden Wertschöpfungsstufe nochmal beaufschlagt wird. Und so ist es dann. Das nehmen Sie mein Hemd, das ich hier gerade an habe. Wenn dafür Bio-Baumwolle verwendet wird, dann kostet das vielleicht in der Herstellung 50 Cent mehr. Aber ich zahle im Laden nicht 50 Cent mehr, sondern ich zahle dann schnell 20 Euro mehr. Da läuft das so bisschen meines Erachtens häufig aus dem Runder.
Nicola: Mmh. und
Nicola: Ach so, also Sie sagen, die Konsumenten sind eigentlich bereit, einen kleinen Aufschlag zu zahlen. Und wenn Sie jetzt aus Ihrer Erfahrung sehen, dass die großen Unternehmen sich nicht schnell genug bewegen oder nicht mehr wollen, ist das jetzt ein Vorteil für die ganzen Start-ups, die Sie auch betreuen in Ihrer Stiftung?
Carsten Ralph Gerhardt: Jein. Wir reden ja gerade im Bereich der Circular Economy tatsächlich Start-ups, die dann auch großmaßstäblich Produktionskapazitäten aufbauen müssen. Das ist in der Circular Economy alles etwas herausfordernder als im Digitalbereich. Sie können mit wenigen Menschen ein WhatsApp
Nicola: Mhm. Mhm.
Carsten Ralph Gerhardt: programmieren und das dann kostenfrei über die ganze Welt verteilen. Aber sie werden sich halt sehr schwer tun, Produktionskapazitäten aufzubauen, weil wir reden am Ende hier über Stahlwerke, wir reden über Hochöfen, die man braucht. Wir reden über Produktionsanlagen und die stellt eben kein Startup einfach mal so hin. Von daher können die Startups ihren Teil beitragen, indem sie frische neue Ideen reinbringen, aber letztlich müssen die meines Erachtens aufgenommen werden
Nicola: Mhm. Mhm. Mhm.
Carsten Ralph Gerhardt: von den etablierten Unternehmen.
Nicola: Ja, aber das bleibt mir. Also damit wir nicht ein ganz düsteres Bild hier zeichnen, muss die Politik mehr tun? Also müssten wir jetzt alle Grün wählen, damit da mehr Regulatorien kommen und die Unternehmen sich in die Richtung bewegen oder?
Carsten Ralph Gerhardt: Also, welche Farbe wir an der Stelle wählen müssen, ich denke auch andere Farben, ja schwarz, gelb, können einfach gute Politik machen, die erkennt, dass wir hier in Europa ein sehr rohstoffarmer Kontinent sind und dass wir uns selber langfristig, wirtschaftlich und ökologisch einen großen Gefallen tun, wenn wir weniger Abfall produzieren und genauso wie die Natur es tut
Nicola: Einfach nur Grüne Politik. Mhm.
Carsten Ralph Gerhardt: Dinge im Kreis führen. Also letztlich nützt es der Wirtschaft. Von daher sollten all diejenigen, die gute Wirtschaftspolitik machen wollen, bitte auf die Kreislaufwirtschaft setzen.
Nicola: Also Kreislauf bedeutet ja ein möglichst unendliches, ja, in Produktion behalten von Ressourcen, wo möglichst keine neuen mehr dazukommen. Um es jetzt mal. Korrigieren Sie mich, wenn das jetzt... ⁓
Carsten Ralph Gerhardt: Genau. Absolut, genau so wie die Natur es mit unserem Wasser macht. Das steigt über den Meeren auf, regnet sich über den Bergen ab, fließt dann über die Flüsse zu uns. Wir trinken es, verwenden es.
Nicola: Ja.
Carsten Ralph Gerhardt: schalten es am Ende wieder aus, es endet seinen Weg zurück ins Meer und steigt wieder auf. Also wir haben in der Natur, in dem elementarsten unserer Bedürfnisse, haben wir eigentlich den perfekten Kreislauf, nämlich beim Wasser.
Nicola: Mhm. Vielen Wasser ist ein sehr gutes Beispiel, glaube ich, weil es doch etwas ist, so langsam in unseren Fokus rückt. Also wenn man hier auf den Rhein guckt, dann denkt man, gut, er war schon immer zwischenzeitlich mal niedriger oder höher, aber... wenn die Dürre anhält, wenn wir wissen, dass auch von den Gletschern jetzt nicht mehr genügend Wasser kommt, sodass es auch durch die Flüsse läuft, wenn wirklich fast die Wirtschaft lahmgelegt wird, weil ja auch die Transportwege auf dem Wasser immer flacher und enger werden. Ich habe gelesen, dass eine Sparte von Siemens, also wahrscheinlich die Wassersparte von Siemens,
Carsten Ralph Gerhardt: Das
Nicola: es wirklich schafft, einen Wasserkreislauf in den Unternehmen mit herzustellen, sodass wirklich, wie angeblich bei Tesla in Grünheide, wirklich ein geschlossener Wasserkreislauf auch umgesetzt wird. Ist das etwas, wo Sie sehen, Thema Wasser, dass das vielleicht in Zukunft mehr Bewegung bekommt?
Carsten Ralph Gerhardt: Ja, also die Schließung von industriellen Wasserkreisläufen, die ist sicher ein schönes Beispiel dafür, dass das hier Bewegung reingekommen ist in das System. Aber auch im Bereich, in unserem Bereich, im Bereich der Konsumenten kommt ja Bewegung rein mit einer vierten, einer fünften Reinigungsstufe, die eingeführt wird in den Abwasserreinigungsanlagen. Also das Verständnis dafür, dass Abwässer häufig belastet sind und noch zu wenig geklärt wieder in die Umwelt entlassen werden. Das nimmt sicherlich gut zu und da haben wir auch bei Circular Valley einige sehr interessante Startups über die letzten Jahre gehabt, die sich damit beschäftigen.
Nicola: Das heißt, bei Wasser sehen Sie die Ampel jetzt nicht auf Rot, sondern ich sage jetzt mal auf Orange-Grün. Mich erinnert das mit dem Wasser so ein bisschen. Ich komme vom Bayerischen Wald, vom Land und also mein Vater hätte niemals unseren riesigen Gemüsegarten mit Wasser aus der Leitung gegossen. Sondern da sind natürlich riesige Tonnen aufgestellt worden und wo das Regenwasser abgefangen wurde.
Carsten Ralph Gerhardt: Nein.
Nicola: Das können wir jetzt natürlich im großen industriellen Bereich nicht unbedingt tun, aber können wir zu Hause in unserem privaten Agieren diese Themen unterstützen oder weil wir lesen ja dann immer wenn wir jetzt weniger ich sag jetzt mal Klo spülen oder Wasser im Badezimmer verbrauchen sind die Rohre noch so veraltet dass man dann trotzdem Millionen von Liter Wasser da durchspülen muss also hinkt die Umsetzung dem Willen hinterher.
Carsten Ralph Gerhardt: Ich glaube, da muss man tatsächlich regional differenzieren. Sie hatten eingangs angesprochen, dass wir teilweise auch schon bisschen wenig Wasser im Rhein haben, aber dem Grunde nach sind wir ja doch ein sehr wasserreicher Kontinent. Und die Diskussion, die man woanders führen sollte, in Las Vegas oder in Los Angeles, die Wasser von sehr weit entfernt erhalten und es dann in Swimming Pools verdunsten lassen, sind sicherlich andere als die, die wir hier führen müssen.
Nicola: Mhm.
Carsten Ralph Gerhardt: und von daher habe ich schon vor vielen Jahren so mit etwas Skepsis auch Projekte wie wasserlose Urinale gesehen, was am Ende dann nur zu Rohrfrass geführt hat und wie sie gesagt haben, dann so viel gespart wird, dass man am Ende wieder spülen muss. Ich glaube, wir haben bei uns glücklicherweise noch kein Wasserproblem. Von daher sollten wir nicht das Kind mit dem sprichwörtlichen Bade ausgießen und dann bei uns allzu viel Wasser sparen, fordern. Denn wie gesagt, nochmal ist Wasser
Nicola: Mhm. Mhm.
Carsten Ralph Gerhardt: läuft im Kreislauf und auch Wasser, das wir der Leitung entnehmen, das ist ja nicht weg. Das kommt in die Abwasseranlagen und in der nächsten Stadt, flussabwärts, wird es wieder aufgereinigt und wird wiederverwendet. das Wasser, was man am Oberrhein entnimmt, was dann nach Benutzung irgendwann wieder in den Rhein
Nicola: Mhm. Mhm. Mhm.
Carsten Ralph Gerhardt: eingeleitet wird. Das wird in der nächsten Stadt als Uferfiltrat wieder entnommen, aufgereinigt und dann geht es immer so weiter. das Wasser ist ein sehr schöner funktionierender Kreislauf bei uns. Etwas anderes ist es, was sie eben angesprochen hat, wenn wir halt Wasser aus der Leitung sehr großflächig zur Bewässerung nehmen, dann wird es an der Stelle verdunstet, aber verdunsten heißt da auch wieder nur es steigt auf und kommt an anderer Stelle wieder runter. Also ich glaube wir
Nicola: Mhm. Mhm. Das ist das Trinkwasserthema.
Carsten Ralph Gerhardt: Nach meinem Dafürhalten sind wir vielleicht beim Wasser in guter Absicht doch hier in Mitteleuropa etwas übers Ziel hinausgeschossen.
Nicola: Dann nochmal andersherum gefragt an das Thema, nun sind Sie jetzt nicht der Kommunikationsexperte, wenn Sie die Unternehmen gehen, aber Sie bekommen ja sicherlich mit, wenn Anstrengungen gemacht werden, wie es auch nach außen transportiert wird und kommuniziert wird.
Carsten Ralph Gerhardt: Sie waren leider gerade 20 Sekunden eingefroren.
Nicola: Dann wiederhole ich die Frage noch. Sie sind ja jetzt nicht als Kommunikationsexperte in den Unternehmen drin, aber bekommen ja doch sicherlich mit, wenn etwas erfolgreich umgesetzt wird oder Engagement gezeigt wird, dass es auch nach außen hin natürlich transparent gemacht wird. Haben Sie für uns einen Tipp als Verbraucher, wie man Greenwashing aufdecken kann, zumindest mal ein Beispiel, wo man sagt, da könnte man hier oder da ein bisschen genauer hingucken, ohne jetzt die ganze Bilanz lesen zu müssen.
Carsten Ralph Gerhardt: Hmm. Also ich glaube... Da ist es hilfreich zu schauen, wenn entsprechende werbliche Aussagen gemacht werden über das Grünsein eines Unternehmens oder eines Produktes, dass man sich schon fragt, wie konsequent ist das? Wenn ich auf einer Verpackung lese mit 5 Prozent Rezyklatanteil, dann merke ich, dass 95 Prozent eben nicht rezykliert. Von daher, ich schaue ganz gerne immer nach
Nicola: Nicht.
Carsten Ralph Gerhardt: 100 % Aussagen. Ja, ist irgendwo 100 % Grünstrom, es ist 100 % rezykliert. Also, dass man sich nicht verführen lässt, dadurch, dass so Angaben gemacht werden, enthält einen gewissen, häufig kleinen Anteil von Rezyklat.
Nicola: Mhm. Mhm. Mhm. Also von recycelten Material, wo nicht nochmal neue Ressourcen dazugegeben werden. Also Sie sagen, da ist schon mehr als 5 % durchaus die Norm. Also sollte schon mal über die 50 % gehen, idealerweise 100%.
Carsten Ralph Gerhardt: Genau. Also genau, idealerweise sollte man auf 100 % gehen, wobei ich an der Stelle, obwohl ich natürlich das hohe Lied auf Rezyklieren singe auch sagen muss, man muss nicht zwingend alles rezyklieren. Also Stoffe, man der Natur entnimmt, also gerade biobasierte Ausgangsstoffe, das sind Dinge, die kann man am Ende dann auch gerne von mir aus verbrennen. Also es muss nicht in jedem Falle rezykliert werden, sondern der ganz große Kreislauf der Natur, wo man naturbasierte Ausgangsstoffe nimmt, weiterverarbeitet und dann am Ende beispielsweise ein biobasiertes Plastik gerne auch wieder verbrennt Nicola (1:00:14) Mhm. Carsten Ralph Gerhardt (1:00:28) auch eine Kreislaufschliessung, nur eines deutlich größeren Kreislaufs. Nicola (1:00:32) Also Recyclingfähigkeit ist ein gutes Thema. Ich war selbst lange als Unternehmerin damit beschäftigt, sozusagen Material rein und verbundlos zu verpacken und war als sehr kleines Unternehmen da oftmals schon sehr weit vorne mit dabei, einfach weil ich es machen wollte, war aber sehr teuer. Also insofern auch manchmal Harakiri. Noch eine letzte Frage zu dem Kommunikationsteil, dieses Argument mit ich spende dafür in neue Wälder, also dieses Wegspenden. Wenn das die Botschaften von Unternehmen sind, sind sie dann genauso skeptisch wie ich oder sagen sie, nee, nee, das ist schon eine vernünftige Sache? Carsten Ralph Gerhardt (1:01:19) Also bei den neuen Wäldern, genau bei diesem Beispiel, da bin ich schon etwas skeptisch, weil dort halt häufig nur irgendwo... Setzlinge gepflanzt werden und gar nicht sichergestellt ist, dass daraus tatsächlich große prächtige Bäume entstehen und die am Ende dann nach 30 oder 50 Jahren tatsächlich in einer Art Weise weiterverarbeitet werden, dass der gebundene Kohlenstoff nicht wieder in die Umwelt kommt. Weil ich habe auch nichts von einem Baum, der am Ende wieder zu Holzpallets gemacht wird und verfeuert wird. Man müsste tatsächlich sicherstellen, dass derartige Bäume erstens über ihre gesamte Wachstumsphase gepflegt werden und dass sie am Ende dann zu etwas verarbeitet werden, was wie Bauholz oder Möbelholz länger im Einsatz ist, also idealerweise 100 plus Jahre. Nicola (1:02:12) Okay, dann fasse ich mal zusammen, was wir heute zumindest schon mal feststellen konnten. Also Sie sagen, bitte weiter recyceln, also schön Müll trennen und zu den Tonnen bringen. Das sollte ein Ziel sein, dass wir da 100 Prozent irgendwie hinbekommen, zumindest als Zielsetzung immer haben. Sie sagen, beim Wasser sind wir eigentlich auf einem guten Weg und das ist schon ein in sich von der Natur aus geschlossener Kreislauf. Also insofern können wir da nicht so viel reinpfuschen weil es am Ende doch wieder spätestens im Boden versinkt. Bei den Werbeversprechen sagen sie auch, bitte auf die Zahlen gucken. Also so eine einstellige Prozentzahl ist jetzt nicht so das Gelbe vom Ei. Wenn Sie, da können Sie sich jetzt entscheiden, ob Sie als Wirtschaftsmann oder als Privatmann darauf auf meine Schlussfrage antworten wollen. Also wenn Sie uns mit, uns Privatleute mit auf den Weg geben wollen, eine Maßnahme, die besonders zur Langlebigkeit beiträgt. Was wäre das? Carsten Ralph Gerhardt (1:03:35) eine Maßnahme, die besonders zur Langlebigkeit beiträgt. Da würde ich dann sagen, sehr bewusst und achtsam leben, was unsere Umwelt und die Natur angeht. Das ist mir kürzlich in ... Japan besonders aufgefallen, wo ja die Langlebigkeit besonders ausgeprägt ist. glaube, Japan ist eines der Länder mit der höchsten Lebenserwartung und ist geprägt durch eine extrem große gegenseitige Rücksichtnahme unter den Menschen, aber auch eine große Ordnung und eine besondere Rücksichtnahme auf die Natur, zumindest im privaten Bereich. Man sieht in Japan kaum Mülleimer im öffentlichen Raum, trotzdem liegt kein Müll herum. Nicola (1:03:59) Das und Mhm. Mmh. Carsten Ralph Gerhardt (1:04:24) Das hat mich sehr beeindruckt und ich möchte jetzt nicht zwingend behaupten, dass es da eine Korrelation zwischen gibt, aber es ist mir schon aufgefallen, dass in diesem besonders sauberen Land auch die Menschen besonders alt werden. Darf ich Frau Baumgartner, ihre letzte Frage, darf ich noch etwas zu Ihrer Zusammenfassung vorher sagen? Sie hatten gesagt, Dinge getrennt zu den Tonnen bringen. Nicola (1:04:34) Das Ja, bitte. Carsten Ralph Gerhardt (1:04:50) Das ist richtig, das ist sicherlich gut, weil die Industrie braucht relativ reine ... Nicola (1:04:50) Mhm. Carsten Ralph Gerhardt (1:04:56) Abfall oder wie man sie auch in den Post-Consumer-Ströme, um sie gut weiterverarbeiten zu können. Mein Wunsch allerdings wäre, dass gewissermaßen die Tonnen auch noch näher zu den Menschen kommen, dass wir gar nicht mehr gezwungen sind, selber in unserer Freizeit zum Altglas-Container, zum Altpapier-Container, zum Wertstoffhof zu fahren, was im Übrigen in der Regel auch häufig eine große Umweltbelastung mit sich bringt. Denn wenn man in guter Absicht das Altglas zum Altglas-Container fährt mit dem Verbrennermotor, dann hat man der Natur gar Nicola (1:05:01) Mhm. Mhm. Carsten Ralph Gerhardt (1:05:26) Gutes getan. Von daher wäre mein Wunsch, dass in dem Maße ja immer mehr Dinge zu uns nach Hause geliefert werden durch die unzähligen Lieferdienste. Ich habe sie mal im Wuppertal gezählt, sind über 70 unterschiedliche Lieferdienste. Vom Ökohof bis zum DHL alle liefern ja. Also wenn all diese Lieferdienste erstens wieder auf weniger zusammen gedampft würden, man braucht nicht Nicola (1:05:29) Mhm. Mhm. Mhm. Carsten Ralph Gerhardt (1:05:56) fünf unterschiedliche Paketlieferdienste, das kann auch einer erledigen und wenn genau diese Lieferdienste nicht nur Dinge in unser Haus reinbringen, sondern auch mitnehmen. Das wird ganz vereinzelt schon mal gemacht, aber ich glaube genauso wie man uns Menschen das Empfangen von Waren sehr einfach macht, sollte man auch das Rückführen genauso einfach machen. Das wäre der größte Hebel meines Erachtens für eine gelingende Kreislaufwirtschaft. Nicola (1:06:03) Ja. Ja. Ja. Ja. Also jetzt legen Sie mir natürlich auch eine Steilvorlage, also eine wunderbare Idee. Ich frage mich gerade, warum mir die nicht gekommen ist. Haben Sie das schon bei Unternehmen platziert, bei Partnerunternehmen, bei Kunden? Und haben Sie eine Ahnung, warum das noch nicht umgesetzt ist? Carsten Ralph Gerhardt (1:06:45) Ja, wir haben das platziert. Das ist eine Idee, die wir selber als Circular Valley auch einbringen, die wir mit unterschiedlichen Unternehmen schon diskutiert haben. Es ist halt ein Nicola (1:06:55) Mhm. Carsten Ralph Gerhardt (1:06:57) echtes Brett sozusagen, weil wir so unendlich viele Lieferdienste haben, die sich gegenseitig auch extreme Konkurrenz machen. Wir reden da über sehr große, wir reden über Giganten. Wir würden da angehen gegen die Amazons und DHLs dieser Welt. Aber ich bin überzeugt, es würde sich lohnen. Die Lebensqualität in den Städten würde extrem ansteigen, wenn wir nicht mehr Nicola (1:07:05) Mhm. Das ist gut. Carsten Ralph Gerhardt (1:07:27) unterschiedlichste Lieferdienste haben. Ein Bekannter erzählt mir neulich, dass er für seine drei Hunde Futter bestellt hat bei unterschiedlichen Anbietern und das Hunde Futter ist an einem Tag von drei unterschiedlichen Lieferdiensten geliefert worden. Nicola (1:07:28) Mh. Mh. Mhm. Mhm. Carsten Ralph Gerhardt (1:07:41) Was für ein Unfug. Da denke ich immer gerne zurück an meine Kindheit. Da gab es einen Postboten. Der war absolut zuverlässig. Der hat alles geliefert. Heute sinkt die Zuverlässigkeit und die Vertrauenswürdigkeit leider häufig, weil es in so viele verschiedene Dienste aufgeteilt wurde, die sehr prekär bezahlt werden. Weil immer neue Liefer- und Transportdienste wie Uber beispielsweise jetzt auch dazukommen, weil sich mit großem Schrecken Nicola (1:07:51) Ja. Ja. Carsten Ralph Gerhardt (1:08:11) sehe in meiner Heimatstadt Wuppertal fahren jetzt Ubers rum. Denke ich, wir brauchen das in Deutschland überhaupt nicht, weil wir einen gut funktionierenden Nahverkehr und gut funktionierendes Taxigewerbe haben. Und es würde uns am Ende auch schaden, weil wenn die Taxen erstmal kaputt gemacht sind, dann wird Uber mit seinen Preisen anziehen. Also in dem ganzen Transportbereich sehe ich ein riesiges Potential zur Steigerung der Lebensqualität, zur Steigerung der Verlässlichkeit, zur Erhöhung Nicola (1:08:31) Ja. Carsten Ralph Gerhardt (1:08:41) der Umweltfreundlichkeit. Aber das ist etwas, wo man es mit sehr vielen sehr mächtigen Wirtschaftsspielern wahrscheinlich aufnehmen muss. Aber ich denke es lohnt sich. Nicola (1:08:53) Ja, also Sie sprechen zumindest, also ich sag mal, das Konzept der letzten Meile ist ja schon etwas, was Kommunen auch beschäftigt und beschäftigen muss, weil es genau wie Sie sagen, man kann ja fast als Fußgänger gar nicht mehr laufen, weil alles zugeparkt ist mit immer mehr Fahrgeräten, egal ob mit Motor oder ohne Motor. Aber die letzte Meile, aber wahrscheinlich ohne politische Regelungen das ganz zum Schluss. kommt es wahrscheinlich nicht in die Umsetzung. Carsten Ralph Gerhardt (1:09:27) Genau. Und fände ich eine politische Regelung, wie Sie sagen, sehr wünschenswert. Ich stelle mir die Frage genau auf der von Ihnen angesprochenen letzten Meile. sind ja viele, in vielen Bereichen gibt es da einfach eine sehr wünschenswerte Konsolidierung. Wir haben einen Gasversorger, einen Wasserversorger, einen Stromlieferanten auf der letzten Meile. Wir haben vorher möglicherweise ganz viele Stromanbieter. haben viele Telefongesellschaften. die eine Leitung ins Haus Nicola (1:09:37) Hm. Mhm. Carsten Ralph Gerhardt (1:09:58) die liegt bei genau einem, macht absolut Sinn. Nur was durch die Haustür kommt, das ist aufgeteilt auf Dutzende in einigen Städten, bald über 100 unterschiedliche Lieferanten. Warum? Es gibt keinen wirklichen Grund dafür und es senkt unsere Lebensqualität und hat einen Umweltschaden. Also von daher Nicola (1:10:00) Ja. Carsten Ralph Gerhardt (1:10:21) Das mal anzugehen wäre aller Ehren wert und ich würde die Politik wählen, die sowas, die sich dieser Sache annimmt. Nicola (1:10:33) Da haben wir zum Schluss von Ihnen noch einen kleinen Wahltipp bekommen, egal welche Partei das umsetzen wird. Wir haben ja zumindest im Herbst hier in Düsseldorf die Kommunalwahl, also mal gucken, ob das irgendwo beim Mobilitätskonzept mit aufgenommen wurde. Für heute auf jeden Fall ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihre Geduld. Wir konnten uns ja nur annähern an diese großen Themen Nachhaltigkeit und dieses Riesenrad der Kreislaufwirtschaft. Ihnen wünsche ich weiterhin viel Erfolg, dass Sie in den Unternehmen möglichst viel bewirken können. Und ich versuche uns zu Hause sozusagen, die Privatmenschen zu Hause so ein bisschen vom Reden ins Machen zu bekommen. Für heute erst mal ganz herzlichen Dank. Carsten Ralph Gerhardt (1:11:18) Hervorragend! Vielen Dank Frau Baumgartner Nicola (1:11:20) Ich hasse Lieferservice. Ich kann es wirklich so dramatisch sagen, weil ich finde, das ist so ein System der modernen Sklaverei. Und letztendlich hält uns das Liefern auch davon ab, selbst in Bewegung zu kommen. Also ich meine, gerade hier in der Stadt, dass wir nicht in der Lage sind, zum Pizzaservice zu laufen und uns die Pizza abzuholen, also es leuchtet mir bis heute nicht ein. Aber diese Idee, den Lieferservice dazu zu nutzen, auch wieder mitzunehmen und diesen Kreislauf in Gang zu bekommen, ja, mit unserer Bequemlichkeit letztendlich, das finde ich echt genial. ja, ich hoffe, dass wir das hoffentlich bald umgesetzt bekommen für uns alle, weil das würde wirklich einen großen Unterschied machen. Was meinen Reiseherz natürlich sehr berührt hat, ist seine Erfahrung mit der Achtsamkeit in Japan. Also ich war da selbst schon länger unterwegs und ja, ihr kennt vielleicht diese Bilder von, dass die Japaner Picknick machen unter blühenden Kischbäumen. Das ist ja jedes Frühjahr wieder ein riesen Event und die fahren da zum Teil auch weite Strecken wirklich zu den schönsten Kirschbäumen zu kommen und dann genießen die da wirklich in Stille dieses Naturereignis. Im Unterschied zu den Rheinwiesen hier in Düsseldorf nehmen die aber ihren Müll wieder mit und das ist genau der Unterschied. Also jetzt ist wieder Sommer und ich freue mich ja, dass die Menschen es wirklich nutzen ins Grüne zu gehen. In der Stadt bedeutet das hier in Düsseldorf an die Rheinwiesen. Und dann bringen die mit. Ihre Stühle, ihre Tische, ihre Grills und alles essen und trinken, was natürlich dazu gehört. Das sind alte Menschen, das sind junge Menschen. Alles durcheinander finde ich super. Was die aber nicht machen ist ihren Müll wieder mitzunehmen. Ich verstehe es nicht. Am nächsten Morgen hast du bestenfalls an den Mülleimern riesige Berge nebendran liegen und schlechtestenfalls ist es auf der ganzen Wiese verteilt. Also es ist mir ein Rätsel, wie man das liegen lassen kann. Nicola (1:13:51) Schattige, kühle Plätze aufzusuchen, das finde ich aber die gute Seite daran, dass wir Menschen merken, dass der Schatten unter großen Bäumen natürlich direkt auch paar Grad Kühle uns bringt und das ist umso wichtiger, je heißer unsere Sommer werden oder einzelne Sommertage. ja, dass wir Bäume gerade in den Städten bekommen, wo sich alles sehr, sehr schnell aufheizt, sobald paar Sonnentage sind. Das ist natürlich Aufgabe von Stadt und Kommunen. Da können wir als Einzelne gar nicht so viel machen, wenn wir jetzt nicht schon Riesengrundstücke besitzen in der Stadt. Aber ich möchte kurz mit euch drüber sprechen, was wir selbst in der Hand haben, ⁓ uns vor Hitze zu schützen. Denn es gibt immer mehr Hitzetote. Die werden dann immer am Ende eines Jahres gemeldet. Das geht meistens unter in anderen Wahnsinnsmeldungen in der Presse. Aber es ist wirklich ein Problem. Aber wir können auch einiges dagegen tun. ich bin ja ein Mensch, der sehr wenig Hitze auch aushalten kann. Also diese tropischen Klimazonen, wo dann auch noch die Luftfeuchtigkeit hoch ist, also das ist für mich schon echt schwierig. Aber Sonne generell ist für mich schwierig. Ihr seht vielleicht Ich bin eher ein heller Hauttyp, also habe immer schon ein Thema damit gehabt. Zu Hause ist es natürlich so, dass wir dem Beispiel des Südens folgen können. wer im Süden schon war und mittags durch die Städtchen läuft, sieht eigentlich nur verschlossene Fenster mit den Fensterläden. Ja, das wird morgens schon früh zugemacht nachdem durchgelüftet wurde, ⁓ einfach keine Hitze reinkommen zu lassen. Aber man kann ja nicht die ganze Zeit zu Hause sitzen, sondern man muss ja auch mal rausgehen. Und das, was ich auf jeden Fall immer mache, wer meinen Jakobsweg verfolgt hat, kennt diesen Hut. Ja, das ist mein Sonnenhut. Wichtig ist es eben, dass hier eine Krempe ist, also eine Mütze, nutzt im Sommer. Ist auch schon besser als nichts, weil die Kopfhaut geschützt wird. Aber Schatten spenden, gerade auch was die Augen betrifft. Und ich habe so über die Jahre so unterschiedliche Hüte angesammelt. Das ist zum Beispiel auch einer. Den kann man eher so an den kälteren Tagen vielleicht tragen. Hat hier aber auch Schatten. Und ich habe mir mal, als ich in Mailand war, am Mailänder Dom schaut mal, diesen schicken Hut geleistet. Ich muss zugeben, ich habe ihn sehr selten auf. Aber jetzt, wo ich ihn wieder ausgeholt habe und gesehen habe, der hat echt eine wahnsinnig breite Krempe hier. Also der gibt echt, echt gut Schatten. Vielleicht hole ich den jetzt auch wieder öfters mal raus. Die zweite Sache ist Schatten für den Rest des Körpers. Vielleicht habt ihr schon gewundert, was ich hier an habe. Aber das ist so eine Art Beduinenkleid. Das habe ich mir gekauft. Schaut mal, ich zeige es euch mal. wie es hier aussieht. Da muss ich ja mal drauf stehen. Das ist so lang und lässt hier unten Luft rein. Und das habe ich den Beduinen abgeguckt. Die haben ja nicht enge Kleidung an, wie wir hier im Sommer, sondern möglichst weite Kleidung. Und warum? Weil darunter die Luft zirkulieren kann. Und möglichst auch nicht in heller Farbe, also oftmals ja in schwarz. Das ist es jetzt hier auch nicht, aber das schützt natürlich auch davor. dass die Sonnenstrahlen mit den UV-Lichtern da auch wirklich auf die Haut drauf können. Naja, und das was ich nicht mehr... So jetzt muss ich mal mein Haarchen hier errichten. Und das was sozusagen unbedeckt bleibt, wie Hände oder hier auch Dekolleté und Hals. das... Also ich nehme schon eigentlich seit es die gibt nur noch 50 Sonnencreme. Also... geht bei mir gar nichts. Was ich allerdings gelernt habe ist, dass ich es wirklich dick auftragen muss. Also ich war bislang auch eher jemand, der gesagt hat, ach ja ich spare ein bisschen, ist ja auch gar nicht so billig die Creme. Dann hält das noch für nächsten Sommer. Also totaler Bullshit, das habe ich jetzt wirklich gelernt. Die Wirkung geht auch, also die Schutzfunktion geht auch flöten über die Zeit, wenn die mal angebrochen ist. Also wirklich großflächig auf Gesicht, morgens direkt drauf. Auch die 15 Schutzfaktor, die oftmals in Cremes schon drin ist, reicht einfach nicht aus. Macht bitte mindestens 30, bestenfalls 50 dran. Ich war jetzt auch letztens erst wieder beim Hautarzt und er hat mir wirklich sieben Muttermale weggemacht. Also ihr seht, ich habe wirklich diverse, ich kann sie gar nicht zählen, ich würde sie an die 1000 schätzen. Und das geht inzwischen echt gut. Also das sind so kleine Laserpunkte. Hier hat er einen weggemacht, hier ist die Schürfung noch drauf und hier seht ihr ist der Schorf schon abgefallen. Also da verbleiben auch gar keine Narben mehr. Ich habe eine Narbe hier am Rücken, die sehe ich zum Glück nicht. Aber das wurde früher ja richtig so geschnippelt und so und dann sind da riesen Narben geblieben, die man ja wirklich auch nicht haben will oder gerade auch im Gesicht. Aber regelmäßig Haut screenen lassen, alle Mutter male. ob die wirklich auch keine krebsartigen Geschwülste schon entwickelt haben. Das ist wirklich super wichtig. Das lohnt sich einmal im Jahr, weil Hautkrebs ist ein Riesenthema geworden. Was auch wichtig ist, und ich bin ein Verfechter nicht nur von viel Trinken, also weniger Wein, wie schon erzählt, aber viel Trinken an Wasser. Und ich trinke schon immer Leitungswasser. Warum? Weil ich natürlich die großen Kästen nicht schleppen will. Weil aber auch ich das jetzt schon so lange verfolge, was die Wasserqualität ausmacht. Und ich habe schon immer dem Leitungswasser vertraut. Im Bayerischen Wald, in meiner Kindheit war das natürlich ein bisschen einfacher. Wir haben zum Beispiel auch in unserem Haus eine eigene Quelle. Also da ist das Wasser sowieso nochmal richtig pur und schön und richtig kalt auch, wenn es aus der Leitung kommt. Aber auch das, sag ich mal, wiederaufbereitete Rheinwasser hier, was wir jetzt zum Teil in Düsseldorf trinken, ist ja so gut kontrolliert und so gut wirklich aufbereitet, dass da auch kein Mikroplastik mehr drin ist. Und es gibt ja immer wieder Untersuchungen auch von Mineralwasser, also Flaschenwasser, wo gezeigt wird, nicht nur in der Plastikflasche, Kunststoffflasche, auch in der Glasflasche sind einfach sehr hohe Rückstände von Mikroplastik, ja selbst in der Glasflasche, weil eben Mikroplastik schon in die Erde einsickert in unser Grundwasser, von wo das verkaufte Mineralwasser auch rausgezogen wird. Also ich kann nur noch mal sagen, Hauptsache ihr trinkt viel, also weniger Alkohol, gerade auch bei Hitze, auch ein guter Tipp, aber vor allem einfach viel normales Wasser, lauwarmer Tee und weniger die süße Limo. Die sollte, ja da hat der Ernährungswissenschaftler, mit dem ich letztens gesprochen habe, ganz guten Satz gesagt, Limo sollte wie eine Süßigkeit behandelt werden. Also man kann sie immer mal genießen, aber dann ganz bewusst und es nicht als Trinken abhaken innerlich, sondern als, ja, wie ein süßes Dessert, wie ein leckeres Eis, was du dir bei der Eisdiele holst. Nicola (1:22:00) Und trotzdem wünsche ich uns allen natürlich einen ganz wunderbaren Sommer, dass wir viel erleben, viel draußen sein können, dann eben im Schatten und eher morgens oder abends, dass wir viel Lebensfreude auch mit ins Leben geben können, weil was nützt uns das Älterwerden, wenn wir es nicht auch genießen, oder? Deswegen genießt das Leben. Ich freue mich auf die nächste Podcast-Folge mit euch und bis dahin wünsche ich euch ganz wunderbare, schöne, sommerliche Tage. Eure Nicola.
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