#32 Pflege, Angehörige & Erfüllung - wie du am Ende von 100+ nichts bereust

Shownotes

Diese Folge ist kein Angstgespräch über Pflege. Sondern eine Einladung, dein Leben bewusst zu gestalten, bevor es andere für dich tun. Wie willst du eigentlich alt werden – wirklich? Die meisten wissen ziemlich genau, wie sie NICHT enden wollen. Aber nur wenige planen aktiv, wie ein erfülltes Leben bis zuletzt aussieht.

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01:38 mit Markus Müller, Co-Founder der Nui Care App & Hospizbegleiter, spreche ich darüber, warum der Blick vom Lebensende zurück einer der kraftvollsten Hebel für bessere Entscheidungen im Jetzt ist:

  • was die Belastung von pflegenden Angehörigen ausmacht
  • weshalb Überforderung von Angehörigen oft vermeidbar wäre
  • was wir von Menschen am Lebensende über ein erfülltes Leben lernen können
  • warum Gemeinschaft („es braucht ein Dorf“) entscheidend wird
  • und wie digitale Lösungen helfen können, Pflege menschlicher zu organisieren

… war schon sehr gespannt auf die Pflege Tinder Erfahrungen!

41:00 … vom Reden ins Machen kommen:

  • Was uns geistig & körperlich fit hält
  • Zurück zu gemeinschaftlichen Lebensmodellen
  • Smarte Lösungen für selbstbestimmtes Wohnen im Alter

SHOWNOTES

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Transkript anzeigen

Nicola: Hallo und herzlich willkommen zurück zum Podcast zu Lang lebigkeit, unserem gemeinsamen Weg, die besten, die tollsten, erfülltesten 100-plus Jahre zu erleben, mit neuen Erkenntnissen, die uns hoffentlich mehr Lebensfreude ins Leben bringen. Und das Thema von heute ist für die meisten von uns wahrscheinlich erst mal ein Angstthema. Aber ich habe dieses Thema aufgegriffen, das Thema Pflege und Pflegen der Angehörige, weil ich vor kurzem auf einem Kongress war. Da ging es um Gesundheit und neue Technologien, Health Tech. Ich habe darüber auch in einer eigenen Podcastfolge, Nummer 29, berichtet. Und auf diesem Kongress habe ich auch jemandem gelauscht, der über eine digitale Lösung für pflegende Angehörige gesprochen hat. Und ich konnte die ganze Zeit nur so innerlich nicken und dachte, hey, hätte ich das schon gehabt, als ich selbst meine beiden Elternteile gepflegt habe, wäre mir einiges einfacher gefallen. Und bei der Recherche über diesen Vortragenden dachte ich, hey, das ist nicht nur jemand, mit dem ich über diese letzte Phase, diese Pflegephase sprechen kann, sondern das ist auch jemand, der hat sich im Jetzt schon für sich selbst Gedanken gemacht und gesagt, ich beam mich mal an mein Lebensende, um mit dem Blick zurückzusehen, hoffentlich, was ich im jetzt schon besser anders machen kann, um mein Leben im Alter besser zu planen. Und da hören wir jetzt mal rein.

Nicola: Eine der größten Ängste, die viele von uns haben, ist, irgendwann mal Pflegefall zu werden. Deswegen dachte ich, umso wichtiger, dass wir das hier im Podcast erkunden. Und zwar auch unter dem Gesichtspunkt, was haben wir in Zukunft von der Pflege zu erwarten? Weil die meisten von uns werden ja doch zweifach damit zu tun haben. Nämlich einmal mit der Pflege von Angehörigen. Und zum Zweiten ... dann eventuell eben selbst als Pflegefall. Und da geht es ja viel um Entlastung, aber auch natürlich um das große Thema selbstbestimmtes Älterwerden. Ich dachte mir aber, auch wenn wir uns schon an dieses Ende unseres Lebens begeben, also diese Phase, über die wir eigentlich gerne, die meisten von uns zumindest nicht gerne drüber nachdenken, möchte ich auch die Gelegenheit nutzen, mal zu sehen, dieser Blick zurück: Was kann der eigentlich schon Positives im Jetzt bei uns bewirken? Um dann vielleicht doch besser alt zu werden, erfüllt er und vielleicht sogar länger zu leben. So große Themen und dazu passt mein heutiger Gast wunderbar dazu, nämlich der Markus Müller aus München. Ein Jurist, der schon, glaube ich, mehr als ein Unternehmen gegründet hat und aktuell ein Unternehmen hat, das sehr viel digital unterwegs ist und sich um pflegende Angehörige vor allem kümmert. Entsprechend ist das Thema künstliche Intelligenz heute auch noch mal in dem Blick in die Zukunft mit drin. Dafür ist er auch, ich muss ablesen, Vorstand vom Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung, auch da ein sehr guter Ansprechpartner. Aber er hat auch ein Buch geschrieben 'Im Angesicht des Lebens' und ist Hospizbetreuer. Herzlich willkommen, Markus.

Markus: Vielen Dank, Nicola.

Nicola: Gleich rein ins Thema mit der ersten Frage, eine eher persönliche Frage an dich. Kannst du uns verraten, ich sag jetzt mal, wenn du an dein eigenes Leben im Alter denkst und planst, was sind so die Top-3-Punkte, die du für dich da noch auf der Liste hast? Oder schon vorbereitet hast?

Markus: Also ehrlich gesagt, das habe ich in meinem Buch auch geschrieben, halte ich nicht so viel von diesen Zielen, die man sich steckt, dann zu hoffen, dass diese Ziele irgendwas oder die Zielerreichung irgendwas ändert. Also ich glaube, und das ist so eine große Erkenntnis auch, die ich in dem Buch beschrieben habe, von mir ist die, dass es eigentlich darum geht, Dinge zu tun, die man gerne tut, die aber nicht irgendwie dann zu einem Ziel führen, im Sinne von jetzt habe ich das erreicht, jetzt habe ich das geschafft, sondern einfach...

Nicola: Ja. Mhm.

Markus: Dinge, die man bis an sein Lebensende auch gerne tut oder tun kann. Und die Dinge, die ich jetzt tue und die ich für mich so definiert habe, die mir wichtig sind, die hoffe ich auch bis ins hohe Alter machen zu können. Es gibt so ein Thema, das bei diesen Dingen eine Rolle spielt. Es hat zu tun mit sozialen Bindungen, mit sozialen Kontakten und auch mit der Frage, wie ich künftig leben möchte. Da gibt es so eine Sache, die ich bisher noch nicht umgesetzt habe. Und da könnte ich mir vorstellen, dass das künftig

Nicola: Und.

Markus: anders wird, dass da irgendwann mal ein Impuls kommt, zu tun und zwar sich Gedanken zu machen über gemeinschaftliches Leben. Also sozusagen dieses Thema Arbeiten und Leben auch stärker zu verbinden miteinander. Nicht diese Trennung zu haben zwischen, also ich finde diesen Begriff Work-Life-Balance grausam, weil der ja suggeriert, dass es ein Leben gibt und eine Arbeit gibt. Und natürlich ist Arbeit auch Leben, also ist Teil des Lebens. Und das noch näher zusammenzubringen und vielleicht mit Menschen zusammenzuleben,

Nicola: Ja.

Markus: wo man ein gemeinsames Projekt hat, gemeinsames Ziel hat und eben gemeinsam an einer Sache arbeitet, dabei eben auch miteinander lebt und idealerweise auch noch generationenübergreifend. Also von jung bis alt alles dabei. Das wäre so eine Sache, die ich mir noch vorstellen könnte irgendwann. Und vielleicht kommt da irgendwann mal der richtige Zeitpunkt dafür.

Nicola: Ist das Modell, was du da beschreibst... ich konnte die ganze Zeit nur nicken, weil ich sage, ja genau. Ist das auch so ein Modell, wo du sagen würdest, na ja, die Zukunft geht ja gar nicht anders als zu sagen, wie kriegen wir es eigentlich auch privat wieder hin, gemeinsam alt zu werden? Weil ja dieses Thema, alle werden ins Pflegeheim geschickt und dann ist alles gut, wenn wir da nur alles optimiert haben, sage ich mal, ist ja nicht. Oder zumindest sieht nicht so aus, als wenn das sich jeder leisten könnte noch in der Zukunft.

Markus: Genau, also letztmal unabhängig auch von dem finanziellen Aspekt. Ich bin ja als Hospizbegleiter auch in Pflegeheimen unterwegs. Und wenn man, wie jeder, schon mal in einem Pflegeheim war und sich ein bisschen länger dort aufgehalten hat als vielleicht nur kurz in der Cafeteria einen Kaffee zu trinken, der weiß oder der sieht, dass das, was da passiert, eigentlich nicht menschengerecht ist. Also selbst Pflegeheime, die schön gestaltet sind, wo tolle Mitarbeiter sind, selbst dort muss ich sagen, sehe ich so viele Menschen, alte Menschen, die eigentlich nur auf ihren Tod warten und die Zeit absitzen, sozusagen. Und das ist aus meiner Sicht auch nicht gerecht, zu sagen, wir nehmen Menschen, die ihr Leben lang Teil der Gesellschaft waren und dann auf einmal sind sie nicht mehr produktiv oder passen nicht mehr oder sind uns nicht mehr angenehm. Und die schieben wir dann ab auf den Abstellgleis. Und vielleicht bereiten wir ihnen da auch noch irgendwie einen angenehmen Lebensabend. Aber nehmen sie eigentlich aus der Gesellschaft raus. Und aus meiner Sicht geht es darum,

Nicola: Mhm. Mhm.

Markus: diese Integration wieder, die zu reintegrieren und zu gucken, wie kriegt man die denn wieder in die Gemeinschaft. Und dafür sind solche Gemeinschaftsprojekte, die ich gerade angesprochen habe, eben glaube ich ein guter Blueprint. Weil ich glaube auch so Dinge wie Einsamkeit ist ein Riesenthema. Also Einsamkeit jetzt nicht im Pflegeheimen, obwohl die sich vielleicht auch einsam fühlen, Menschen.

Nicola: Mhm. Mhm.

Markus: Aber insgesamt ist Einsamkeit übrigens auch bei jungen Menschen, weiß man seit Covid, seit Corona ein Riesen Herausforderung. Das heißt, wir müssen Möglichkeiten finden, dieses Zusammenleben wieder zu zu leben, so wie es früher, glaube ich, ja auch Standard war quasi. Und wenn wir uns mal diese älteren Menschen angucken auf der Welt, also diese Blue Zones anschauen, dann ist ja das genau das, was die alle vereint. Stabile soziale Kontakte und Einbindung in eine Gemeinschaft. Und ich glaube, das ist ganz entscheidender Punkt.

Nicola: Ja. Du hast jetzt schon sehr viele Themen angesprochen, die viele als Wunsch auch mit sich tragen. Und trotzdem ist ja die Angst doch groß, zu sagen, ich werde nicht nur Pflegefall, sondern ich falle auch zur Last. Bei mir war es zum Beispiel so, ich kenne das Pflegeheim von meiner Mutter und das Sterben zu Hause von meinem Vater. Und hatte trotzdem zwei Eltern, die bis zum Schluss sehr lebenslustig und freudig waren, möglichst lange leben wollten. Das war für mich so eine Lernkurve zu sagen, na ja, in jedem Lebensabschnitt gibt es noch Lebensziele. Die werden natürlich etwas beschränkter, aber bis zum Schluss kommen wir mal erst mal zum Faktischen, weil mit dem wird ja jeder konfrontiert, egal in welcher Konstellation. Dazu habe ich das richtig auch verstanden, ist ja zum Beispiel auch eure App, Nui App, die wir auch verlinken, sozusagen so eine Art Pflegekompass zu geben, wo alle Fragen nicht nur erklärt werden, sondern auch erledigt werden können.

Markus: Was ich festgestellt habe über meine Tätigkeit als Hospizbegleiter, wo ich auch nach Hause gehe zu den Menschen und dann die Pflegenden erst am Ende ihrer Pflegereise erlebe, dann, wenn es eben Richtung Sterben geht, war das, dass die mir oft erzählt haben, wie anstrengend, schwierig und herausfordernd diese Pflegereise war, die ja oft über viele Jahre geht. Manche Menschen pflegen ja, es gibt Menschen, pflegen 20, 30 Jahre, aber es ist keine Ausnahme, dass zwei, drei, vier, fünf Jahre gepflegt wird zu Hause.

Nicola: Ja. Ja,

Markus: Die Menschen haben mir immer erzählt, dass es eine zufällige Reise war. Man hat zufällig herausgefunden, dass es eine Tagespflege gibt. Oder hat zufällig herausgefunden, dass man von der Krankenkasse eine Unterstützung beantragen kann, finanzielle, die man vorher nicht kannte. Als ich das so gehört und auch gespürt habe, wie belastet die Angehörigen sind, weil sie sich so alleine fühlen, weil sie das Gefühl haben, mir hilft keiner, ich weiß nicht, wo ich Hilfe in Anspruch nehmen kann.

Nicola: Mh mh mh mh Mh. Mmh.

Markus: Deswegen dachte ich, digital kann man da super helfen, weil eine digitale Lösung sehr strukturiert vorgehen

Nicola: Ja.

Markus: kann und sehr strukturiert eins zu eins nach ein paar Fragen, die geklärt werden, erklären kann, was in diesem speziellen Fall dann genau zu tun ist. Und das war die Idee hinter Nui, so einen digitalen Assistenten zu entwickeln, der 24 Stunden, 7 Tage in der Woche verfügbar ist, wo eben der Angehöriger so das Gefühl hat, und das ist spannend, das melden uns jetzt viele Nutzer zurück. Es ist ein weniger alleine.

Nicola: Und. Und.

Markus: Es geht nicht um das soziale Alleinsein, sondern um dieses Gefühl, ich bin mit meinem Problem alleine und habe keinen, mit dem ich darüber sprechen kann oder wo ich mich mal informieren kann. Und da bietet

Nicola: Und.

Markus: unsere App eben rundum Unterstützung. Wir dachten zu Beginn, als wir gestartet sind, dachten wir, welches Feature könnte denn so ein Killerfeature sein? Und mussten dann feststellen, es gibt kein Killerfeature, sondern Pflege ist so komplex, dass du halt viele Bereiche abdecken musst. Wir haben inzwischen 16 verschiedene Feature in der App.

Nicola: Ja, ja. Ja, das stimmt.

Markus: Und das zeigt halt auch, wie komplex die Pflege zu Hause einfach ist.

Nicola: Also wir haben uns oder ich habe dich gesehen bei einem Vortrag und da hattest du das Beispiel gebracht, ja, allein die Frage einen Zahnarzt nach Hause oder in meinem Fall ins Heim, ja, darüber denkt man davor nicht nach. Ich kenne, ich musste so innerlich grinsen, weil ich wahnsinniges Glück hatte, da jemanden zu finden. Also es sind wirklich auch so diese, ja, ihr seid mittendrin in den Themen und nicht nur oberflächlich so ein bisschen drauf. Und doch hast du auch schon von dieser Killer Application, also das unternehmerische, kommt ja schon durch, wo man sagt, wo kriegt man da bisschen Aufmerksamkeit? Ist es dieser Pflegetinder? Also der Name, ist der offiziell?

Markus: Nein, nein. Das ist unser Arbeitstitel. Da würden wir wahrscheinlich Schwierigkeiten kriegen mit einer anderen Firma, die da sehr erfolgreich unterwegs ist. Vor allem würde das ja auch was suggerieren, was es ja nicht ist. Also wir wollen ja keine Pflegebedürftigen verkuppeln miteinander, sondern wir wollen eigentlich ja, also das ist ein Arbeitstitel, den wir benutzt haben, weil wir, was wir damit machen wollen, ist, wir wollen zwei Dinge tun. Das eine ist, wir wollen Menschen miteinander verknüpfen, die Pflegende sind, also pflegende Angehörige sind.

Nicola: Genau, wir haben ihn jetzt nur in Anführungszeichen genutzt. Mh.

Markus: die in ähnlichen Situationen sind. Wir haben immer wieder festgestellt und gehört von unseren Nutzern, dass sie sich eben oft sehr unverstanden fühlen in ihrer Situation, Gefühl haben, sie sind die Einzigen, die jetzt so einen speziellen Fall haben. Und da wissen wir natürlich aus unserem Nutzerkreis, dass es da auch andere gibt, die vielleicht nicht um die Ecke wohnen, aber irgendwo in Deutschland trotzdem ansässig sind. Und da wollen wir die Menschen miteinander verknüpfen. Ein Beispiel wäre zum Beispiel ein 40-jähriger Mann, der seine 35-jährige Freundin pflegt, weil die Krebs im Endstadium haben.

Nicola: Mhm. Mhm. Mhm.

Markus: Der hat natürlich andere Anforderungen und Herausforderungen als jetzt eine 80-Jährige, die ihren 85-jährigen Ehemann zu Hause pflegt. Und solche Menschen miteinander zu verbinden und zu sagen, hey, wenn du Lust hast, da gibt es jemanden, der hat eine ähnliche Situation, sprich dich mit dem mal ab oder sprich mal über die Themen, dann ermöglichen wir das. Das ist die eine Seite. Und die andere Seite, die wir verbinden, deswegen haben wir es Tinder genannt, weil Tinder ja auch Menschen miteinander verbindet, ist, dass wir die Angehörigen mit lokalen Angeboten verknüpfen wollen, wie zum Beispiel dem Zahnarzt,

Nicola: Vielen Dank. Ja.

Markus: der vor Ort ist oder auch dem Friseur zum Beispiel. Das ist ein Thema, dass ein Friseur ja auch nach Hause kommen muss, wenn da kein Besuchen mehr möglich ist.

Nicola: Mh. Okay, also ich sag mal nur Sex im Alter oder im Pflegeheim wäre auch noch mal ein Thema, aber da machen wir noch mal ein extra Podcast Folge dazu.

Markus: ist ein Riesenthema. Ein Riesenthema. Das wird oft tatsächlich total tabuisiert, natürlich auch in den Pflegeheimen. Und das Bedürfnis der Menschen ignoriert dann teilweise. Ich kann mich gut erinnern, bei meinem ersten Besuch vor über zehn Jahren, als ich die Ausbildung gemacht habe zum Hospizbegleiter da habe ich ein Praktikum gemacht im Pflegeheimen und sechs Monate lang. Mein erster Besuch hat mich die Stations schwester durch den Gang geführt und dann saß eine Frau im Rollstuhl. Die war so schon schwer dement und sah mich dann so und wurde ich dann kurz vorgestellt und dann sagte die

Nicola: und

Markus: mit ihnen hätte ich gerne Sex. Dann ist die Schwester rot geworden und gesagt, lassen sie mal weitergehen, schnell. Ich habe mir gedacht, das war eine Demenzkranke, die sagen ja dann, was sie denken. Diese Themen werden da tatsächlich überhaupt nicht aufgenommen in Pflegeheimen, oft zumindest nicht. Es gibt inzwischen, aber sogar das finde ich auch toll, gibt inzwischen Begleiterinnen und Begleiter, die in Pflegeheime gehen und dort Menschen mit diesem Thema begleiten.

Nicola: Genau. Mhm. Ja. Ja, ja. Ich fand es auch immer schön bei meiner Mutter im Pflegeheim, wenn sich zwei gefunden haben. Also immer Herz aller Liebst. Ich war auch positiv, sag ich mal, berührt, dass es von der, ja, obwohl es eine christliche, also die Diakonie war, wo man so denkt, na ja, weiß man nicht, ob die sowas unterstützen. Aber die haben das durchaus liebevoll begleitet, sodass sie da gemeinsam auch ihre Zeit zusammen hatten.

Markus: das Thema eben auch sichtbar machen.

Nicola: Genau, kommen wir zurück so ein bisschen zu diesem Faktischen, was einen erst mal erschlägt. Ich glaube, da kann sich jeder gut vorstellen, dass so eine App da sehr hilfreich ist, auch gut vernetzt. Es ist ja auch ein Dschungel, den man ohne auch eine Hotline bei einer Pflegekasse oder Krankenkasse gar nicht durchsteigen kann. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, die dann auch erzählen, wie viele Töpfe eigentlich unangetastet bleiben, die eigentlich da wären zum Abgreifen. Wie ist mit so einer Pflege-App, die ja auch Zwischenmenschliches zumindest ermöglicht, also ein Enabler, sich zu treffen? Wie würdest du das im nächsten Schritt in eurer Ausbauphase, also jetzt ohne Geschäftsgeheimnisse, zu verraten? Aber wenn du dein eigenes Lebensmodell sagst, Mensch, wir bleiben eigentlich in einer Kohorte zusammen, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Wie kann mir so ein digitaler Helfer da eigentlich bis zum Schluss nützlich sein?

Markus: Die Herausforderung für die Angehörigen ist ja die, dass die Pflege oft so belastend ist, dass die Menschen, es gibt Studien, die sagen, über 50 Prozent aller pflegenden Angehörigen in Deutschland leiden während der Pflegereise irgendwann an einer psychischen Herausforderung. Also entweder haben sie eine Depression oder haben ein Burnout, weil einfach so eine große Belastung stattfindet. Und da ist es halt so, dass wir glauben, dass wenn man die Angebote, die es ja gibt, also die Entlastungsangebote, die es gibt... da gehört zum Beispiel auch der Hospizbegleiter dazu. Ich habe erlebt es oft, dass ich als Hospizbegleiter wohin komme und dann sagen die Menschen, ach, das wusste ich gar nicht, dass es diese Möglichkeit gibt, hat ihnen irgendwie der Nachbar erzählt oder so. Also dass man diese ganzen Angebote ausnutzt und damit eben der Entlastung der Angehörigen schafft. Und das führt natürlich auch wieder dann zum einen zu einer besseren Gesundheit der Angehörigen. Das ist übrigens ein Thema, was aus meiner Sicht völlig viel zu kurz kommt, dass ja diese Menschen alle später dem Gesundheitssystem wieder zu Last fallen. Also wenn jetzt jemand hier eine Depression geht zum Beispiel, der

Nicola: Vielen Ja,

Markus: kreiert ja zusätzliche Kosten, die jetzt mit dem Pflegefall an sich gar nichts zu tun haben. Also es wäre auch ein großes präventives Mittel, eben diese Menschen dazu zu unterstützen und Kosten einfach auch einzusparen. Und zum anderen glauben wir eben, dass dann die Pflege zu Hause, wenn die Menschen besser unterstützt werden, mehr Angebote auch ausnutzen, die tatsächlich ja bestehen, dann die Pflege eben auch länger zu Hause durchführen können und die Person nicht ins Pflegeheim muss. Weil was wir oft halt sehen, ist, dass der Grund, warum jemand ins Pflegeheim geht, der ist, dass der Angehörige sagt, ich kann nicht

Nicola: Und.

Markus: hab das mal erlebt in der Schweiz. Ich war drei Jahre in der Schweiz als Hospizbegleiter. Hab dort gelebt und hab dort einmal eine Dame begleitet, die hatte ALS, also diese Krankheit, wo nach und nach der ganze Körper die Muskeln quasi den Geist aufgeben und man wirklich dann gelähmt mit einem klaren Geist aber noch in seinem Körper ist. Dieser Mann hat seine Frau, ich glaub, fünf Jahre gepflegt mit dieser Krankheit. Und es ging dann langsam dem Ende zu. Und der Mann war, also ich glaub, der war ...

Nicola: Mhm. Ich war. ⁓ ja.

Markus: Mitte 60 und die Frau war Anfang 60, also die waren noch relativ jung und der Mann war völlig am Ende nach fünf Jahren. Also der war psychisch, der war körperlich einfach ein Wrack und er hat sich dann so schwer getan, die Frage zu stellen, ob man denn mal darüber nachdenken könnte, seine Partnerin ins Pflegeheim zu geben. Aber am Schluss war es dann die einzige Möglichkeit, ihn zu schützen. Und wenn der ein bisschen mehr Unterstützung gehabt hätte und eben gewusst hätte, besser gewusst hätte, was kann er eben wie als Unterstützung in Anspruch nehmen, dann glauben wir, könnte man die Pflege auch zu Hause eben länger durchführen.

Nicola: Ja, also ich vergleich's manchmal so ein bisschen mit auch Kindererziehung oder Kinderpflege in Anführungszeichen. Zum einen gibt es ja immer den schönen Satz, es braucht ein ganzes Dorf, ein Kind groß zu kriegen. Vielleicht brauchst auch ein ganzes Dorf, ⁓ uns sozusagen bis zur letzten Stunde zu begleiten. Das ist ja auch so ein bisschen das Modell, was du so angesprochen hast, für dich selbst oder was einem ja idealerweise im Kopf schwebt, wenn man immer sagt, ich möchte unbedingt zu Hause sterben. Ich kenne das, weil mein Vater das eben auch so hatte und ich konnte es ihm ermöglichen, weil es nicht über Jahre ging, sondern ein, sag ich mal, für mich überschaubarer Zeitraum war, den ich mir auch nehmen konnte. Es ist aber ja auch viel mit Scham und tabuisierenden Themen, also wenn es länger geht. Das ist auch natürlich Gewalt aus Verzweiflung heraus, dass man sagt, man kann gar nicht mehr anders. Stunden lang für eine Person zu Hause da zu sein, bedeutet auch über Jahre hinweg eine extreme Belastung. Was, wenn uns jemand zuhört, der jetzt genau sich in so einer Situation, wo er sagt, ich bin am Rande eine Überlastung, wenn ich da jetzt zuhöre, wie die das beschreiben. Was würdest du dem direkt nahelegen, was er direkt machen, außer eure App runterladen.

Markus: Im Endeffekt muss er sich beraten lassen. Ob er das über unsere App tut oder über Pflegeberater tut oder über andere Menschen tut, gar nicht so relevant. Idealerweise, wie gesagt, unserer App hat er einen sehr niederschwelligen Zugang. Er muss nirgends anrufen, muss sich nicht outen. Thema, was du vorher angesprochen hast, Scham, ist ein großes Thema. Du hast vorher den Vergleich zur Kinderpflege gemacht. Da ist es ein ganz anderes Thema, weil es positiv besetzt ist. Jeder freut sich, wenn jemand Kinder hat.

Nicola: Mh. Wo kriegt er die her? Wo geht er da am besten hin?

Markus: Wenn man Kinder aufzieht und vor allem wird es ja auch besser mit den Kindern. Also die muss am Anfang kacken die in die Windel und irgendwann nicht mehr. Bei den Pflegebedürftigen ist das Gegenteil der Fall. Da geht es quasi eigentlich nur bergab. Insofern tun sich manche da schwer, auch jemanden beispielsweise dann zu sich nach Hause zu holen. Also Pflegeberater kommen ja auch nach Hause ins Haus und beraten dort. Und deswegen glauben wir, ist so eine App ein sehr niederspannender Anker ist ein sehr niederschwelliger Startpunkt. Aus der App heraus kann man übrigens dann auch mit echten Pflegeberatern bei uns Kontakt aufnehmen. Wir haben also eine hybride Lösung. Das heißt, wir haben nicht nur Tech, auch mit inzwischen KI. Man kann auch in der Chatbot fragen und mit dem kommunizieren. Aber wir haben auch echte Menschen dahinter, die per Chat und auch per Videotelefonie oder normaler Telefonie zur Verfügung stehen und eben helfen können und beraten können. Da ist es auch wichtig, zu gucken, wo wohnt die Person.

Nicola: Das ist es, ne? Genau. Mh.

Markus: Was für lokale Angebote gibt es dort, was auf dem Land manchmal deutlich schwieriger ist als in der Stadt, das muss man auch sagen. Aber da sozusagen auch zu schauen, was ist denn mein Unterstützungsnetzwerk? Also viele Menschen, die ich gesprochen habe, wir haben zu Beginn, als wir vor sechs, sieben Jahren begonnen haben mit der Firma, haben wir viele Interviews geführt. Also ich glaube, ich habe über 200 Interviews geführt damals und habe Leute eben auch gefragt, ja, habt ihr denn Unterstützung? Und dann kam oft die Antwort, nee, ich bin ganz alleine.

Nicola: Ja. Nö.

Markus: Dann haben wir weitergesprochen und irgendwann kam der Halbsatz, meine Nachbarin kauft zweimal die Woche ein. Oder mein Bruder kommt einmal im Monat und passt mal eine Stunde auf. Das heißt, Netzwerk, das mal bewusst wahrzunehmen und auch zu nutzen. Die Menschen tun sich unglaublich schwer, auch nach Hilfe zu fragen. Zu sagen, lieber Bruder, ich packe es gerade nicht, kannst du mal kommen? Und das zu unterstützen und dieses Netzwerk erst mal wahrzunehmen, weil die Menschen das eben nicht bewusst so erkennen.

Nicola: Ja, genau. Vielen Dank. Vielen Dank.

Markus: Und dann auch intensiv zu nutzen, weil wenn man die Menschen dann fragt, dann sagen die ja klar, geh derzeit, frag mich nur. Ich bin da, genau. Und das sozusagen aufzubauen, ist glaube ich auch ganz wichtiges Thema. Und da könnten natürlich ebenso regionale Strukturen, ich sag mal, wir sprechen da auch von Quartieren zum Beispiel, also Quartiersmanagement, dass man sagt, eine Stadt ist ja sehr groß und dann gibt es eben Quartiere, also Nachbarschaften sozusagen, die dann ähnlich wie so Gemeinschaften, die ich vorher beschrieben habe, vielleicht funktionieren.

Nicola: Ja. Ihr helft uns sehr gerne. Ja,

Markus: dass die Menschen sich

Nicola: ja.

Markus: kennen, auf sich aufpassen, dass der Demenzkranke sich mal weiter entfernt. Das sollte von zu Hause wieder zurückgebracht werden, weil man ihn kennt. Solche Strukturen würden da extrem helfen. Dafür braucht es auch Lösungen. Da wird inzwischen auch die Community Health Nurse diskutiert, dass es eine Person gibt, die sich in so einem Quartier diese ganzen Gesundheitsthemen kümmert. Nicht nur Pflege, sondern insgesamt auch Prävention und solche Sachen.

Nicola: Mh. In.

Markus: Und da mehr Struktur reinzubringen, wäre wichtig. Weil momentan, vielleicht die Nachbarn ja sagen, würde ich ja gerne, aber ich hab ja gar keinen Rahmen, in dem ich das tun kann.

Nicola: Also was ich merke hier jetzt am Beispiel Düsseldorf ist, dass sich wirklich Gedanken gemacht wird auch immer im Zuge dessen, wie wollen wir in Zukunft leben und was können wir als Stadt da auch bieten. Neben dem Thema Mobilität hätten wir weniger Autos und Verkehr, würden auch, sag ich mal, so offenere Systeme ihr einfacher umzusetzen sein. Aber auch dezidiert geguckt wird, also sprechen wir denn in allen Lebensphasen wirklich mit entsprechenden Angeboten auch ausreichend an. Du hattest Einsamkeit erwähnt, bei Jungen. Aber auch in der Rush-Hour gibt es Einsamkeit, selbst wenn man denkt, man hat gar keine Zeit mehr, weil alles schon verplant ist. Aber auch da kann man sich sehr einsam fühlen, nicht alleine, sondern einsam oder eben als älterer Mensch. Da denke ich, ist einiges in der Mache. Auf dem Land habe ich jetzt gemerkt, was so bisschen wegfällt in der Stadt, ist der Bezug zur Kirche. Das war ja früher, wenn ich an früher denke. In die Kirche ist mal einmal die Woche gegangen, da hatte man zumindest noch Bezug zu einem Pfarrer. Oder eben die Vereine haben natürlich dieses Netzwerk auch stark gemacht, wo ich da auf dem bayerischen Land gemerkt habe, das fällt alles auch da. So langsam bröckelt das weg. Aber ich habe schon gemerkt, das Dorf ist so enger zusammengerückt und hat mir signalisiert, wenn du Hilfe brauchst, kannst du kommen. Das empfand ich als Glücksfall. Hat aber nicht jeder. Und dann ist so eine App, die ihr ja, glaube ich, ihr habt da auch Partner mit drin, eine Versicherung, eine Krankenkasse, die das nutzt oder anbietet.

Markus: Mmh. Ja. Mmh. Also wir vertreiben die über die Krankenkassen. Das heißt, die Krankenkassen bezahlen dafür, noch nicht alle, also ein paar jetzt erstmal. Die bezahlen dafür und der Nutzer muss eben nichts bezahlen. Das heißt, das Budget wird von der Pflegekasse zur Verfügung gestellt, weil wir eben den Nutzer eigentlich schadlos halten wollen. Also der soll eigentlich nichts bezahlen dafür. Da versuchen wir jetzt immer mehr Krankenkassen zu gewinnen. Wir haben schon ein paar große gewonnen. Jetzt kommen paar kleine dazu

Nicola: Ein paar. Ja. Mhm. Mhm. Mhm. Mhm.

Markus: demnächst und versuchen, das ständig auszuweiten, weil idealerweise natürlich irgendwann mal jeder diesen Zugang über die Krankenkasse haben soll, also die Pflegekasse. Momentan ist es so, dass wenn der nicht in der Pflegekasse ist, die unsere App bezahlt, dann muss er es selber bezahlen. Aber das, wie gesagt, wollen wir langfristig ändern.

Nicola: Also wenn wir mal so bisschen die Zukunft der Pflege zusammenfassen, muss man sagen, also sie wird weiterhin eher zu Hause geleistet als in Pflegeheimen, egal wie man jetzt zu Heimstrukturen steht. Manchmal geht es ja auch gar nicht anders. Und diese, sag ich mal, eher dörflichen, ich sag mal Netzwerke oder Vernetzungen, die sie vielleicht in einem bekannten Freundeskreis oder in Gruppen, die sich finden, das ist wahrscheinlich das, wo die Zukunft so ein bisschen hingehen muss, weil wir es anders gar nicht organisiert bekommen. in den Städten sind und bezahlt bekommen. Wie sieht es aus? Weil du ja jetzt jemand bist, der nicht einfach eine App programmiert hat nach dem Motto, wie kann ich Geld verdienen und was braucht die Welt noch, sondern auch selbst in der letzten Phase des Lebens begleitest. Kannst du uns da ein bisschen mitnehmen, wie sich dein Blick zurück auf dein Leben im Jetzt und wie du es siehst

Markus: Und nicht bezahlt bekommen.

Nicola: dadurch verändert hat.

Markus: Also was ich oft wahrnehme, und gibt es auch ein ganz tolles Buch dazu, das heißt Fünf Dinge, Sterbende bereuen, oder am meisten bereuen, glaube ich, das Buch von Bronnie Ware, ist, dass eben Menschen am Lebensende Dinge bereuen, nicht getan zu haben, die sie dann auch nicht mehr ändern können, weil es eben zu spät ist. Und da habe ich so, deswegen heißt mein Buch ja auch im Angesicht des Lebens und ist eigentlich so ein Appell an uns, dass wir diesen Prozess, den die Menschen dann zu machen scheinen, wenn sie dem Tod in die Augen schauen,

Nicola: Mhm. Mhm.

Markus: dass wir diesen Prozess noch im Angesicht des Lebens durchführen. Also dann, wenn wir noch Leben vor uns haben, wenn wir noch gestalten können und Dinge eben noch verändern können. Und was ich gemerkt habe, ist, was ganz vielen Menschen fehlt und das habe ich vor inzwischen zehn Jahren diesen Prozess damals begonnen, ist mal erst mal eine Bestandsaufnahme zu machen und zu gucken, wie lebe ich denn aktuell? Und zwar ohne das quasi

Nicola: Ja. Ja.

Markus: meine Eltern neben mir stehen und irgendwie Erwartungen an mich haben, ohne dass meine Partnerin oder Nachbarn quasi da sind und ein Urteil fällen über das, ich tue, also quasi eine Art objektiven Blick auf mein Leben und das dann mal ehrlich abzugleichen mit dem, was man selber will und was einen selber begeistert, was einen motiviert, was einen antreibt. Und da ist eben ganz, vielen Fällen, stelle ich dann Mismatch fest. Also dass man oft und das ist der Hauptgrund übrigens den

Nicola: Mh. Mh. Mh. Mh. Mh. Mh. Mh. Mh. Mh. .

Markus: sterbenden Bereuen in diesem Buch. Also Top 1 ist dort, ich hätte rückblickend gerne mein Leben gelebt und nicht die Erwartungen anderer erfüllt. Also nicht nur die Erwartungen anderer erfüllt. Das heißt, oft ist es so, dass wir natürlich Erwartungen ausgesetzt sind. Das ist ganz normal von unseren Eltern, der Gesellschaft auch insgesamt. Und das Gefühl haben, wenn wir die erfüllen, dann werden wir angenommen in der Gesellschaft quasi. Und dabei geht dann oft das zugrunde oder kommt zu kurz, was wir selber eben, was uns selber motiviert und was uns selber...

Nicola: Mh. Mhm.

Markus: dass wir intrinsisch wollen. Ich glaube, diesen Abgleich mal zu machen, das kann schmerzhaft sein, weil das natürlich auch dazu führen kann, dass ich dann merke, ich muss Dinge ändern in meinem Leben. Also ich muss vielleicht meinen Job wechseln oder ich muss vielleicht was anderes. Schmerzen, Veränderung ist ja immer erst mal schmerzhaft für Menschen, weil sie nicht wissen, was danach kommt. Und deswegen scheuen viele Menschen diesen Prozess. Trotzdem kann ich sagen, dass dieser Prozess sehr

Nicola: .

Markus: dass er zu einem deutlich zufriedeneren Leben führt. Dass er dazu führt, man das Gefühl hat, wirklich seine Wünsche, seine... seine... sein Inneres sozusagen wirklich zu leben. Das, einen eben ausmacht, wirklich leben zu können. Und das führt einfach zu einem deutlich zufriedeneren Leben. Als wenn ich ständig nur dem hinterherjage, was andere von mir wollen. Ich kann mich gut erinnern an die Zeit, es bei mir auch noch so war. Wenn man natürlich von überall immer...

Nicola: Mmh.

Markus: Anerkennung bekommt für sein Leben, seine Karriere, für das, man tut. Es ist natürlich auch schwer, Stöpfel zu ziehen und zu sagen, Moment mal, ist schön, dass ihr das toll findet, aber das will ich eigentlich gar nicht. Aber deswegen ist es schwierig, das überhaupt zu erkennen erst mal. Weil wenn alle sagen, du hast ein tolles Leben, dann für sich selber zu merken, ja, aber das ist nicht mein Leben, ist erst mal ein Schritt. Trotzdem kann ich das jedem empfehlen, diese Übung mal zu machen. Das kann man eben sehr gut, indem man sich mal auf sein eigenes Sterbebett denkt.

Nicola: Ja.

Markus: Man überlegt sich, ich bin jetzt 90 oder bin 100 oder bin 120 und liege auf meinem Sterbebett und schaue auf mein Leben zurück, was hätte denn da passieren müssen oder was hätte da eine Rolle spielen müssen in meinem Leben, dass ich dann mit 100 loslassen kann, sagen kann, das war ein tolles, erfülltes Leben und eben dann auch in Frieden sterben kann. Und wenn man wirklich in diesen Prozess reingeht, also auch das fühlt, nicht nur im Kopf den Prozess macht, dann, glaube ich, gibt es eine gute Chance, dass dann Dinge hochkommen, die einen eben wirklich begeistern und wirklich berühren und...

Nicola: Ja.

Markus: Wenn man dann schaut, spielen die in meinem jetzigen Leben eine Rolle? Wenn nein, dann sollte ich Platz dafür schaffen. Wenn ja, dann ist es ja umso besser.

Nicola: Wir reden jetzt aber nicht von der klassischen Midlife Crisis, wie es immer beschrieben wird.

Markus: Also ich glaube, dass die Midlife-Crisis ein Ausdruck dessen ist, dass die Menschen, also Midlife heißt ja so, was ich, 40, 50 vielleicht so den Dreh rum. Also ich habe das oft erlebt, dass Menschen dann an dem Punkt sind, dass sie zum einen sagen, jetzt habe ich eigentlich alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Also ich habe jetzt ein Haus, ich habe jetzt eine Familie, ich habe irgendwie eine Karriere gemacht. Ich bin jetzt auch an einem Punkt, wo ich merke, da bin ich sozusagen, da bin ich angekommen am Ziel meiner Karriere quasi und trotzdem bin ich nicht zufrieden.

Nicola: Genau. Ja.

Markus: Und das führt, glaube ich, zu dieser Herausforderung, dass man sagt, obwohl ich eigentlich alles im Außen erreicht habe, also alle meine Ziele abgehakt habe, merke ich trotzdem, dass es irgendwie nicht passt. Das liegt aus meiner Sicht eben an diesem Mismatch, dass man halt irgendwelche Erwartungen von außen übernimmt und sagt, jetzt habe ich die Checkliste durchgearbeitet. Also Haus ist da, Familie ist da. Ich bin jetzt Geschäftsführer von einem Unternehmen zum Beispiel, habe viel Geld. Alles, was die Gesellschaft sagt, für ein glückliches Leben Voraussetzung, habe ich jetzt erreicht.

Nicola: und Ja.

Markus: Und trotzdem spüre ich eine innere Unzufriedenheit. Und da kommt diese Frustration her, glaube ich. Und dann eben sich auf den Weg zu machen und zu sagen, wie komme ich jetzt denn zu einem zufriedenen Leben und wie kann ich mir selbst entsprechen, ist, glaube ich, dann der positive Weg. Andere, wenn man sich dann manche Midlife-Crisen anschaut, versuchen dann das Gegenteil und versuchen noch mehr im Außen. Also das ist dann jemand, der sich dann noch ein...

Nicola: Ja. Vielen Dank. Amen.

Markus: ein Ferienhaus kauft oder noch eine Jacht kauft, weil er glaubt, dadurch sozusagen noch zufrieden werden zu können oder sich mit 50 dann noch mal eine 20-jährige Freundin zu nehmen oder so. Und im Zweifel, mich wundert es manchmal, dass die Menschen dann, auf diesen Weg gehen, trotzdem so lange brauchen, bis sie merken, dass dieser Weg nicht zum Ziel führt. Es gibt ja Leute, die mit 70 noch so leben. Und das ist für mich völlig, völlig unverständlich, wie man da nicht auf dem Weg irgendwann mal die Erkenntnis bekommt. Also der Weg ist es nicht, der zu Zufriedenheit führt.

Nicola: Ja. Ja. Ja. Oder auch so anstrengend ist. Sag mal, noch eine kurze Frage zu deiner Hospizbegleitung das machst du ehrenamtlich? Du führst jetzt auch ein Unternehmen wieder. Also ich glaube, gab unterschiedliche Phasen auch in den letzten Jahren bei dir. Aber das machst du ehrenamtlich. Ist das so eine bewusste? Merkst du, weil heutzutage, wir reden immer viel über Achtsamkeit und sobald man geht, so Selbst für Sorge, was ich sehr gut finde, Sorgen für sich selbst. Aber wo ich immer denke, ja, der zweite Teil gehört auch dazu zu sagen, na dann zu gucken, was kann ich denn eigentlich wieder zurückgeben oder was kriege ich denn eigentlich von anderen, wenn wir auch über das Thema Einsamkeit sprechen, weil das ja schon ist, was delivern mir die anderen oder was bringe ich selbst ein? Hättest du da vielleicht noch von dir einen Insight, wie das mit diesem Ehrenamt, was es heutzutage ja wieder so ein bisschen zu unterstützen gilt, was dir das so gebracht hat unabhängig jetzt von dem Hospizbereich, was ja nochmal ein ganz besonderer ist.

Markus: Also ich glaube, dass es ganz wichtig ist, wenn man sich erneut engagiert, dass man sich was aussucht, wo man selbst spürt, dass einem das was gibt. Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, jetzt herzugehen und zu sagen, okay, ich bin jetzt sehr erfolgreich gewesen, ich habe viel bekommen von der Gesellschaft, jetzt muss ich zurückgeben oder jetzt möchte ich zurückgeben. Jetzt suche ich mir irgendwie einen Umweltverein oder so, der ja sehr anerkannt ist von außen und wo dann jeder sagt, ja,

Nicola: Ja. Ja. Ja.

Markus: das macht total Sinn, tolle Sache. Wenn ich da keine eigene Betroffenheit spüre oder auch nichts rausziehe für mich. Ich glaube, ist immer wichtig, dass Geben und Nehmen in der Waagschale ein Ausgleich sind. Ich glaube, es bei mir eben so war, dass ich diesen Zug zu diesem Hoszpizthema extremst gespürt habe. Ich würde mich jetzt nicht begeistern können für weiss nicht eine Hilfe der Organisation, Kindern in Afrika hilft. Eine sehr wichtige Sache, die ich ...

Nicola: Und Mhm. Mhm. Mhm. Mhm.

Markus: toll finde, wenn sich Menschen da engagieren, aber da spüre ich jetzt keinen Zug. Deswegen ist es glaube ich wichtig zu gucken, wo zieht es mich hin. Und wenn man das dann spürt, wo es einen hinzieht, das dann mal ausprobieren und dann schauen, gibt mir das auch was. Weil das Schlimmste, was passieren kann, ist dieses sogenannte Helfer-Syndrom, dass ich mich sozusagen in der Sache aufgebe, weil ich dadurch eben Anerkennung von außen bekomme, aber eigentlich sozusagen Energie verliere und nicht bekomme. Und für mich ist diese Arbeit eigentlich, wenn man

Nicola: Mhm. Vielen Ja, ja, ja.

Markus: wenn ich ehrlich bin, sehr egoistische Arbeit, weil ich unglaublich viel rausziehe aus dieser Sterbebegleitung. Also mir bringt diese wöchentliche Sterbebegleitung unglaublich viel Klarheit im Leben, unglaublich viel Fokus auf, was ist wirklich wichtig im Leben. Im Angesicht des Todes relativieren sich ganz viele Dinge, ganz viele Probleme, die wir so glauben, im Alltag zu haben, wo ich mir oft denke, Menschen... Also ein ganz gutes Beispiel war Guido Westerwelle, den ich ganz gut gekannt habe, der unser ehemaliger Außenminister und Vizekanzler.

Nicola: Das stimmt. Ja.

Markus: Der im Juni 2014 eine Diagnose bekommen mit Leukämie. Der hat sich nach dieser Diagnose komplett gewandelt. Der hat in einem Spiegel Interview wenn er sich überlegt, über welche Dinge er sich früher aufgeregt hat. Er würde am liebsten hat er gesagt in dem Interview jedem Gesunden zurufen, lebe dein Leben, also carpe diem, nutze dein Leben und verschwende dein Leben nicht mit sinnlosen Dingen. Und da schafft, glaube ich, der Tod ...

Nicola: In Ja, ja, ja.

Markus: oder das Bewusstsein über die Endlichkeit schafft da so eine gewisse Urgency, die einen dazu bringt, das ein bisschen in Perspektive zu bringen. In, wie sagt man, in Relation zu setzen und zu sagen, was ist wirklich wichtig und was ist einfach nur vielleicht eingebildet wichtig.

Nicola: Mh. Ja, ja, ja. Absolut, deswegen geht es auch bei den Themen Langlebigkeit und Longevity durchaus nicht, ⁓ Unendlichkeit zu erreichen. Für den einen oder anderen vielleicht schon, das sind die Ausnahmeerscheinungen, aber doch eher zu sagen, wie bekomme ich ein gutes, erfülltes Leben und wenn es dann da noch hilft, länger gut zu leben, umso besser. Deswegen schon die ...

Markus: Ich glaube, dass unendlich Leben gut klingt für manche, vor allem, wenn man sich gesund unendlich lebt. Ich glaube, das wäre die Hölle auf Erden. Es wäre die Hölle, weil du bei Unendlichkeit, wenn wir unendlich leben würden, dann wäre Zeit, hätte ja keinen Wert mehr. Dann wäre es völlig egal, ob ich Dinge jetzt mache oder in 100.000 Jahren mache.

Nicola: Ich glaube auch. Das stimmt. Ja, genau.

Markus: Das heißt, der Wert meiner Zeit und dem, was ich hier tue, minimiert sich damit so stark, dass ich glaube, die Menschen auch diese Idee von Sinn verlieren. Was ist dann der Sinn überhaupt? Genau.

Nicola: Würden durchdrehen. Wir würden durchdrehen. Bin ich sehr sicher... Also unser Hirn ist, glaube ich, zum Glück vielleicht auch nicht dafür gemacht. Ich weiß es nicht oder müsste sich entsprechend ändern, damit, glaube ich, klarzukommen. So, aber jetzt wird es ja spannend. Genau, die allerletzte Frage, die 100-plus-Expertenfrage an dich. Also wenn du Leben im Alter gut und lang zu genießen, was wir jetzt gerade schon so umschrieben haben. Was wäre für dich die eine Maßnahme, wenn du nur eine Maßnahme uns mit auf den Weg geben kannst? Was wäre die aus deiner Sicht wichtigste Sache?

Markus: Ehrlich gesagt, glaube, die geistige Offenheit, Flexibilität, Neuroplastizität nennt man das ja heutzutage, die sich weiterzuerhalten. Weil meine Erfahrung die ist, dass viele ältere Menschen, auch die ich treffe, im Alter sehr begrenzt noch in der Lage sind, ihre Meinungen zu ändern, sehr in festgefahrenen Bahnen leben. Und ich glaube, dass sich das unglaublich auch auf den Körper auswirkt. Also wenn ich flexibel bleibe im Geist, glaube ich, dann bleibt auch mein Körper flexibel. Andersrum übrigens genauso. Ich glaube, wenn man

Nicola: Mh. Ja.

Markus: sich bewegt und sozusagen den Körper flexibel hält, dann bleibt vielleicht der Geist auch flexibel. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass ich über Reisen, ich reise super gerne und auch viel, auch in neuen Ländern, dass ich darüber auch immer wieder einen neuen Input bekomme und neue Sichtweisen von Menschen kennenlerne, die meine eigenen dann hinterfragen. Die ende ich dann nicht immer, aber zumindest möchte ich die Offenheit behalten, das tun zu können. Und ein guter Freund von mir, der hat einen ganz tollen Satz. Wenn der ein Statement macht und eine Meinung äußert, sagt er da vorher immer

Nicola: Ja. Mmh. Mmh. Mmh. In und Ja, ja.

Markus: mein aktuelles Vorurteil ist. Und sagt dann seinen Satz. Und das finde ich so schön, weil das diese Offenheit zeigt, zu sagen, vielleicht ändert sich diese Meinung in ein, zwei Jahren auch wieder. Und ich glaube, wenn man uns diese Flexibilität erhält, diese Geistigkeit, die übrigens, das weiß man ja inzwischen wissenschaftlich auch, dann besonders gut erhaltbar bleibt, wenn man sich ständig neuen Dingen aussetzt, also neue Dinge lernt.

Nicola: Absolut. Ja. Ja. Neugierig bleiben.

Markus: Neugierig bleibt, aber auch neue Fähigkeiten erlernt. Idealerweise nur dann, wenn man die Motivation dazu hat. Ein Freund von mir hat sich vorgenommen, jeden Monat was Neues zu lernen. Da ich gesagt, da wüsste ich aber Sachen, die ich nicht toll fände. Sagt er, nur Sachen, die ihm Spaß machen. Das macht auch Sinn. Warum soll ich mir was aneignen, wo ich mich zwinge dazu? Die Motivation ist wichtig. Sich neuen Dingen auszusetzen, auch neuen Menschen und Sichtweisen,

Nicola: Danke. Ja. Absolut.

Markus: über ein Thema, was man eine andere Meinung als man selbst vertritt, um diese geistige Flexibilität zu überhalten. Ich glaube, das ist aus meiner Sicht eine der größten Geschenke, wenn ich da Menschen kennenlerne, die alt sind, also sag jetzt mal 80 plus, sind und diese geistige Flexibilität haben. Das sind alles Menschen, denen ich irgendwie nacheifern möchte und so leben möchte wie die.

Nicola: In Vielen Dank. Noch mal ein ganz toller Punkt, der noch mal bestätigt, sich aber für mich zumindest durch das ganze Gespräch jetzt gezogen hat, wie sehr die Lebensfreude auch, sehr für dich zumindest in deinem Leben immer wichtig war, auch Dinge zu machen, die dir selbst gut tun. Und dann kann man es auch weitergeben, positiv aufs Leben zu gucken, neugierig zu bleiben. Das nehmen wir jetzt als letzten Experten-Tipp mit. Vielen Dank. Ich verlinke alles, was du erwähnt hast, einfach in den Show Notes. Dann kann jeder mal drauf gucken. Und ja, vielen Dank, dass ich mit dir gemeinsam dieses eher Angstthema Pflege, Pflegefall werden, zur Last fallen. Dass wir das hoffentlich so ein bisschen, ich sag mal, positiv bestärken konnten, es auch das Glas halb voll zu sehen und nicht nur halb leer. Denn drum rum kommen wir ja alle nicht.

Markus: Vielen Dank.

Nicola: Aber wir nochmal gesagt, aber wäre wahrscheinlich auch gar nicht so ein richtiges Ziel. Also für mich zumindest auch nicht in diesem Fall. Herzliche Grüße nach München und ja, bis bald mal wieder.

Markus: Vielen Dank, alles Gute!

Nicola: Das Leben im Alter planen ist wirklich ein großer Brocken, finde ich schon auch. Und doch nehme ich aus diesem Gespräch mit Markus noch einmal so drei große Punkte für mich mit. Das eine natürlich sein Tipp und sein, ich glaube sein Lebensmotto auch geistig und körperlich fit zu bleiben. Das fällt natürlich einfacher, wenn man das mit Dingen tut, die man gerne tut. Und jetzt haben vielleicht manche von euch auch gedacht beim Zuhören, ja, aber das Leben ist halt kein Ponyhof. Ich kann nicht immer das tun, was ich am liebsten mache. Dem würde ich auch zustimmen. Das hat jeder von uns schon in seiner Lebenszeit erlebt. Aber das sind ja so die großen Entscheidungen. Die großen Entscheidungen, wie Kinder kriegen, Familie gründen oder wie bei mir Unternehmen gründen, Verantwortung für Mitarbeitende übernehmen. Das sind die Entscheidungen, wenn du da A sagst, musst du auch B sagen. Da kannst du nicht dauernd hochhalten, aber ich wollte doch nur Dinge machen, die mir Spaß machen. Da muss man durch. Ich glaube, das meinte auch Markus nicht. Es geht, glaube ich, schon auch darum, das nicht immer nur hochzuhalten, sondern auch die Momente oder Umbrüche im Leben dann zu nutzen, um dann zu hinterfragen, Mensch. Was macht dir denn eigentlich so richtig Spaß im Leben? Und ich habe es zum Beispiel auch bei jedem Mitarbeitenden in meinem Unternehmen immer eingefordert, dass wir herausfinden, was macht demjenigen eigentlich richtig Spaß? Weil dann wusste ich, dann wird er da richtig gut sein und das wird in dem Fall für beide, Arbeitgeber und für Arbeitnehmer ein guter Deal dann sein. Und so finde ich geht es einem aber auch in seinem eigenen Leben. Immer wieder mal ja, eine Antenne dazu entwickeln, den richtigen Zeitpunkt zu finden, zu sagen, ich kann jetzt mal bisschen Verantwortung für andere Pflichtgefühle abgeben oder nach unten fahren und wieder mehr auch, ja, selbst für Sorge für mich einen achtsamen Blick auf mich werfen, mal wieder zu hinterfragen, was macht mir eigentlich Spaß im Leben. Ich habe dazu ja letztes Jahr meine 100 Plus Bucket List draus entwickelt, um das als inneren Kompass für meinen Lebensweg zu nehmen, der mich schon auf die 100 plus, also auf ein gesundes und hoffentlich langes erfülltes Leben zu führen, um aber auch die wichtigen Punkte dabei nicht zu vergessen. Und ich glaube, das ist so ein bisschen das, was auch Markus vermitteln wollte, weil dieser Blick zurück mal, wenn man den wirklich wagt, sich an sein eigenes Sterbebett zu setzen gedanklich. Das ist für manche echt nicht einfach. Ich muss sagen, für mich war das nicht so schwierig, aber es ist auf jeden Fall sehr, sehr erleuchtend für das Jetzt, für dein Leben im Jetzt zu sagen, würde ich da jetzt nicht noch mal andere Prioritäten setzen mit diesem Wissen und diese Selbstfürsorge für sich auch dann zu nehmen. Ganz intensiv haben wir es ja gehört, in der Folge 27 erinnert ihr euch an Fabienne, die junge Schweizerin, die mit ihrem Mann oder Lebenspartner den elterlichen Bauernhof umgestellt hat und alle Tiere, also alle Legehennen in dem Fall, weggegeben haben, ⁓ ein neues Modell in der Landwirtschaft zu leben. Auch da, das ist eine Entscheidung. Da kannst du nicht A sagen, um bei B zu sagen, nee, ich gucke nochmal, was mir mehr Spaß macht. Aber es gibt eben diesen Sinn im Leben und diese Zufriedenheit und doch kann es auch sehr anstrengend sein. Und deswegen finde ich den zweiten Punkt auch so gut von Markus, den ich nochmal mitnehme, dieses gemeinschaftliche Leben und dieses gemeinschaftliche Älterwerden, da einfach nochmal intensiver drüber nachzudenken. Wie sehen diese Modelle aus? Denn was er sagt, ja, das stimmt schon. Wobei nicht für alle Fälle finde, dass Pflegeheime nicht menschengerecht sind. Ich finde doch, dass es mit momentan die noch beste Möglichkeit ist, wirklich, wenn sich eben Angehörige aus welchen Gründen auch immer dazu nicht finden, dass zu Hause gepflegt werden kann. Und doch gilt für alle, die mit Pflege in Berührung sind wirklich dieses Thema nutzt die Netzwerke im Privaten genauso wie im öffentlichen Raum, auch die Kommunen. Es wird so viel angeboten, das weiß man erst oder man kümmert sich ja erst darum, wenn man in der Situation ist. Aber es dann zu machen, fällt vielleicht ein bisschen schwer, weil man so viele Dinge zu tun hat. Aber es lohnt sich wirklich, weil dieser Punkt, sich auch Beratung ranzuholen, auch von den Pflegekassen, von den Versicherungen das ist, wofür die auch da sind und wofür sehr viel Geld ausgegeben wird. Also alle, die akut mit Pflege zu tun haben, sei das nochmal ins Herz gelegt, wenn ihr es nicht schon ⁓ macht. Und für alle anderen, wie mich auch, ist dieses Thema gemeinschaftliche Lebensmodell, das ist etwas, was mich noch sehr intensiv beschäftigen wird und deswegen auch gerne dieser Aufruf. An euch alle, die zuhören, wenn ihr da was Spannendes in eurer Nähe habt oder darüber gelesen habt oder einen Ansprechpartner habt, wo wir mal tiefer bohren können, dieses Thema, gerne an mich ran, schreibt mich an, gebt mir das weiter, weil dieses gemeinschaftliche Leben, ja, das steht erst am Anfang wieder. Wir sind ganz davon weggekommen und jetzt glaube ich, entdecken wir es erst wieder neu. Und was ich persönlich sehr spannend finde auch zum Thema älter werden, nicht nur Pflege, sondern auch selbstbestimmt, möglichst lange zu Hause oder eben dann in der Gemeinschaft leben zu können, sind für mich schon die neuen Technologien und diese Verbindung zwischen künstlicher Intelligenz und humanoiden Robotern. Da hatten wir schon in Folge 10 dieser Podcastreihe einen Gründer aus München da, der so einen Roboter für Pflegeheime entwickelt hat und die dort schon im Einsatz sind. Ich glaube und hoffe, dass es in Zukunft sehr schnell kommen wird, dass wir auch Roboter für zu Hause, also für den Haushalt bekommen. Ich glaube, da ist es relativ schwierig, so was wie eine Spülmaschine einräumen und ausräumen, aber auch das wird irgendwann gelöst sein. Und meine größte Hoffnung, ehrlich gesagt, was mein Älterwerden betrifft und die Entwicklung, die ich erhoffe, bei neuen Technologien. Es ist für mich die autonome Mobilität. Weil dann wäre es komplett egal, wo wir wohnen. Also es würde ja wirklich auch die Situation in den Innenstädten vielleicht auch entzerren und wieder auch wohnbar machen für diejenigen, die wirklich in der Stadt wohnen wollen und müssen, weil man dann auch eher auf dem Land sagen kann, naja mit der autonomen Mobilität, mit dem Drohnen Taxi, das mich hier abholt, wo ich nicht selbst fahren muss, weil ich nicht mehr will oder auch nicht mehr kann. Das wird, glaube ich, unser Leben nochmal richtig neu aufstellen. Ich finde ins Positive, also ich freue mich schon drauf und ich habe jetzt vor kurzem auch gelesen, dass es gar nicht mehr so weit weg sein soll, also nicht in 40, 50 Jahren, sondern in den nächsten zehn Jahren. Deswegen bin ich da sehr, sehr, sehr darauf gespannt. So, also. Ich glaube, über dieses Thema Pflege, pflegen der Angehörige, aber auch vermeiden selbst zum Pflegefall zu werden, diesen dicken Brocken, da wird der ein oder andere von uns, ich auf jeden Fall, auch die nächsten Tage noch mal bisschen neu dran zu knabbern haben. Aber das schadet nicht. Denn was wir jetzt schon entscheiden, das bringt uns ja auf bessere 80, 90 oder 100 Jahre plus. In diesem Sinne wünsche ich euch wieder eine fantastische Zeit. Bis zum nächsten Podcast und freue mich sehr auf euch. Eure Nicola aus Düsseldorf.

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