#26 Disziplin, Adipositas & Abnehmspritze - Idealgewicht erreichen und halten
Shownotes
Ist Übergewicht wirklich ein Disziplinproblem – oder ein biologisches? In dieser Folge von How to enjoy 100+ spreche ich mit dem renommierten Adipositas-Experten Dr. Ansgar Röhrborn über eine Frage, die viele von uns seit Jahren begleitet:
Welches Gewicht trägt uns wirklich gesund und lange durchs Leben – und wie lässt es sich dauerhaft halten?
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01:36 Wir sprechen über:
den Unterschied zwischen Übergewicht, Adipositas Grad I–III und echter Krankheitslast
warum der BMI nur begrenzt aussagekräftig ist
weshalb Süßes und Fett biologisch belohnen – und nicht Ausdruck mangelnder Willenskraft sind
was es mit viszeralem Bauchfett und stillen Entzündungen auf sich hat
warum 5 % dauerhafter Gewichtsverlust bereits ein Erfolg sind
wie GLP-1-Abnehmspritzen wirken – Chancen, Grenzen und Risiken
und warum Bewegung für Longevity oft wichtiger ist als das Idealgewicht
Diese 100+ Episode ist eine Einladung zu mehr Selbstmitgefühl, mehr Wissen statt Schuld – und zu einem realistischen Blick auf Gesundheit, Gewicht und Langlebigkeit.
43:40 Abnehmen ohne Diät Welche neue 100+ Routine mich zu meinem Wunschgewicht geführt hat verrate ich ausführlicher im Podcast Folge #25
Hier geht's direkt zur erwähnten Podcast Folge mit der #22 Krebsforscherin und der #17 Mikrobiom Expertin
Eine How to enjoy 100+ Podcast Folge für alle, die Frieden mit ihrem Körpergefühl schließen wollen – ohne die Gesundheit aus den Augen zu verlieren.
Transkript anzeigen
Nicola: Hallo und herzlich willkommen zurück zum Podcast zu Langlebigkeit, unserem gemeinsamen Weg, die besten, die tollsten, die schönsten und vielleicht auch die längsten 100-plus Jahre zu erleben. Alle Jahre wieder beschäftigen sich viele von uns mit dem Thema Abnehmen, so das ein oder andere Kilo zu verlieren. Und deshalb geht es in dieser Podcast-Folge eben auch um das Thema Abnehmen oder viel mehr, eigentlich das Thema welches Gewicht trägt uns am besten und am längsten durchs Leben. Aber vor allem auch, wie erreichen wir es nicht nur, sondern wie können wir es auch halten? Und ich bin selten so fröhlich aus einem Gespräch rausgegangen, weil ich so ein bisschen versöhnt war und liebevoll auf meinen Hüftgold blicken konnte und weil ich verstanden habe, ⁓ dieses Süsse und Fette in Kombination. Das wird mich mein Leben lang begleiten und anziehen. Vielleicht auch ist es gar nicht das smarteste, dem mit Selbstdisziplin zu begegnen, sondern mit was? Ja, hören wir mal rein ins Gespräch.
Nicola: Welches Körpergewicht lässt uns besonders gut und damit auch besonders lange leben? Wie erreichen wir es und vor allem, wie können wir es halten? Diese nicht ganz einfache Frage bespreche ich heute mit Herrn Dr. Ansgar Röhrborn. Herzlich willkommen, Herr Doktor.
Roehrborn: Ja, ich freue mich bei Ihnen am Gespräch teilzunehmen und für allen Fragen der Adipositas bin ich immer sehr gesprächsbereit, weil es mir eine Herzensangelegenheit ist, Menschen in dieser Hinsicht weiterzuhelfen.
Nicola: Die sind nämlich seit ihres beruflichen Lebens nur kurz, damit die Menschen ... Sie sind Adipositasexperte. Also, zuletzt Chefarzt an der St. Barbara Klinik in Hamm. Zuständig für die Chirurgie, insbesondere viszerale Chirurgie. Aber vor allem waren sie der Leiter des Adipositaszentrums. Also, es geht um Menschen, die nicht nur zu viel Gewicht haben, sondern das auch noch krankhaft,
Roehrborn: Mh.
Nicola: und nicht vielleicht nur wegen fehlender Selbstdisziplin. Bevor wir darauf zu sprechen kommen, eine persönliche Frage an Sie. Ich weiß, dass Sie Töchter haben. Wenn Sie sich jetzt mal vorstellen, ich wäre eine von diesen Töchtern und würde sagen, Mensch, ich möchte 5 bis 10 Kilo abnehmen und habe mich jetzt dazu entschieden, die Abnehmspritze auszuprobieren. Was würden Sie mir da als Tochter antworten?
Roehrborn: Als Vater.
Nicola: Als Vater an die Tochter.
Roehrborn: Mach mal!
Nicola: Okay.
Roehrborn: Hm? Würde ich sagen.
Nicola: Ja? Ja, warum? Sind wir mitten drin!
Roehrborn: Weil es extrem schwierig ist, abzunehmen und das Gewicht zu halten. Das ist natürlich mit der Abnehmensspritze im Grunde genommen das gleiche Problem. Ich habe mehrere junge Frauen gesprochen, beraten, mit ihnen diskutiert über die Frage der Abnehmensspritze, die im Übergewichtsbereich knapp Grenze Adipositas I, also BMI, über 30 lagen.
Nicola: Mh. Mhm.
Roehrborn: Die sind alle gut zurechtgekommen damit. Und das interessante ist, die haben durch die Abnehmensspritze gesehen, wie wenig sie dann essen und wie ihr Tag dann aussieht. Nach Absetzen der Abnehmensspritze ist das Hungergefühl wieder da. Aber man hat dann offenbar doch eine andere Haltung dem gegenüber. Eine junge Dame hat sie gänzlich weggelassen und hat bisher ihr Gewicht gehalten. Das sind jetzt einige Monate. Eine andere cycled. Es gibt im Internet eine Community, wo die User diskutieren und sich austauschen, weil das ist ein Wissen, dass die Nutzer...
Nicola: Mhm. Ja.
Roehrborn: viel intensiver haben als die Ärzte. Die Ärzte wissen nicht, wovon sie reden, muss ich ganz ehrlich sagen. Die Abnehmenspritze wird verordnet und der Patient verliert Gewicht, schön und gut. Aber wie sich das anfühlt und wie sich das anfühlt, wenn man sie wieder absetzt und wie man damit weiterkommt, das wissen die Patientinnen am allerbesten. Und da ist es sicherlich hilfreich, das zu konsultieren und sich da einzuloggen. Was ich zum Beispiel gelernt habe,
Nicola: Vielen Dank.
Roehrborn: Man kann nicht cyceln mit der höchsten Dosis. Man kann sich eine um die andere Woche oder eine Woche nehmen, zwei Wochen auslassen, dann wieder nehmen mit einer hohen Dosis. Weil die haut dann so rein, dann ist einem übel und elend und so weiter und so fort. Man kann nur mit einer Anfangsdosis cyceln. Hab ich nicht gewusst. Ich hab gesagt, man sollte am besten mit der hohen Dosis cyceln. Dann kann man eine geringere Menge davon benutzen, ist billiger.
Nicola: Ja. Ja. Ja. Ja.
Roehrborn: Ich weiß jetzt nicht, ob man auch kleinere Mengen aus dem Pen spritzen kann und dann doch die hohe Dosis kaufen kann. Aber da sind wir schon sehr im Detail. Das lassen wir jetzt mal beiseite. Im Prinzip, ich würde Ja sagen. Kind, mach mal. Und dann sehen wir.
Nicola: Und dann sehen wir weiter. Weil genau wie Sie sagen, auch das, man ja darüber liest, wenn abgesetzt wird, es bleibt dieses große Ziel immer, wie kann ich denn etwas dauerhaft halten? Das kennen alle wie ich, die schon immer Diäten gemacht haben oder FDH, was auch immer. Und sich aber darum bemüht haben, erst mal rein aus der Optik, rein aus der Emotionalität zu sagen, ich möchte mich wohl in meinem Körper fühlen. Das ist ja die eine Seite zu sagen. Die andere Seite ist ja wirklich zu sagen, was gewinne ich denn mit einem Idealgewicht aus gesundheitlicher Sicht an guter Lebenszeit?
Roehrborn: Das kann ich gar nicht exakt sagen. Das hat man nach den BMI-Gruppen klassifiziert. Der Unterschied an Lebenszeit zwischen einer Gruppe Übergewicht oder einer Gruppe Adipositas I im Verhältnis zu den Normalgewichtigen ist nicht so sehr groß. Da hat man Untersuchungen angestellt an sechsstelligen Patientenzahlen und dabei ist rausgekommen, dass die Übergewichtigen länger leben als die Normalgewichtigen. Man muss sich auch vergegenwärtigen, dass solche Untersuchungen wahnsinnig schwierig sind. Sie müssen über Jahrzehnte die Patienten dann nachverfolgen.
Nicola: Ja.
Roehrborn: Es gibt kaum Institutionen, die solche Forschung ermöglichen, weil dann wechselt der Leiter der Institution und fühlt sich dann vielleicht gar nicht an dieses alte Forschungsvorhaben gebunden. Also das ist sehr selten, dass solche Dinge effektiv untersucht werden. Aber was dabei herausgekommen ist, die Übergewichtigen scheinen etwas länger zu leben als die Normalgewichtigen.
Nicola: Und Ja, ja. Mh. Vielen
Roehrborn: Hat aber einen systematischen Fehler, weil man in dieser Untersuchung Raucher eingeschlossen hat. Und Raucher sind tendenziell schlanker und niedergewichtiger als der Rest der Bevölkerung. Und wenn man dann die Raucher rausrechnet, die nicht einschließt, dann zeigt sich, dass die Normalgewichtigen länger leben.
Nicola: Auf der. Auf der Strecke. Ja.
Roehrborn: Wie gesagt, der Unterschied ist nicht groß. Aber dann kommen die Statistiker und sagen, ja, das darf man aber nicht machen, weil die Raucher in der Bevölkerung, zumindest in Deutschland, eine Gruppe von 25 Prozent darstellen. Das ist statistisch nicht sauber. Darf man nicht in einer statistischen Analyse diese Gruppe rausrechnen. Und da endet dann meine Möglichkeit, das Ganze klar und sicher auf verlässliche Füße zu stellen.
Nicola: Und. ⁓ Ja, dann gehen wir mal ins Normalgewichtige. Also ich habe erst vor wenigen Monaten gelernt, dass ich einen BMI von 24 habe. Jetzt dachte ich erst mal, wow, das ist ja ganz gut. Und dann lese ich, ne, ab 25 bin ich eigentlich übergewichtig.
Roehrborn: So kann ich es nur darstellen, dass Rauchen eine Rolle spielt und die Gruppe der Normalgewichtigen, da sind dann mehr Raucher drin, deswegen scheinen die eine kürzere Lebenserwartung zu haben. Aber wenn man ohne Raucher das betrachtet, dann ist es länger.
Nicola: Also bin ich eigentlich latent schon übergewichtig oder normalgewichtig?
Roehrborn: Ja, weiß ich. Sie sind nicht latent übergewichtig, sie sind normalgewichtig. Punkt Ende. Es sei denn, da sind sie von Monat zu Monat immer einen BMI-Punkt gestiegen. Aber zunächst einmal sind sie normalgewichtig. Wir kennen ja keine Dynamik da drin.
Nicola: Ja. Okay. Das heißt, Normalgewichtiger oder jemand, man hätte jetzt früher gesagt, ach, die hat so bisschen paar Rollen mehr oder ein Pfunde mehr, ist so bisschen stabiler oder pummeliger, sind das die Menschen, wo sie sagen, na ja, gerade bei Frauen, die ja auch durch das Kinderkriegen ja oftmals auch gute Pfunde an den Oberschenkel und den Hüften ansetzen, damit das Gebären, das Thema Fruchtbarkeit auch gut über die Bühne gehen kann. Da sind wir eher, was ist gesundheitlich besser? Das andere ist eher, wie fühle ich mich emotional? Fühle ich mich da jetzt pummelig oder schlank? Aber so ein paar Kilo mehr, würde ich auch sagen, wenn ich meine Eltern begleitet habe. Und ich hatte auch immer das Gefühl, es wäre besser, die hätten ein paar Kilo mehr auf der Rippe, um bisschen stabiler vom Immunsystem her zu sein. Was macht denn
Roehrborn: Absolut.
Nicola: Der Schutz oder der Fettstoffwechsel, denn gesundheitlich auf Herz-Kreislauf, mein Immunsystem, auf meine Organe.
Roehrborn: Das sind natürlich sehr komplexe Dinge dabei. Aber das Immunsystem ist, wir sprechen wahrscheinlich über irrelevante Dinge, also Sachen, die nicht wirklich von Bedeutung sind. Wenn wir uns zwischen Übergewicht und Normalgewicht und gar Adipositas I unterhalten, dann werden diese Dinge keine wirkliche Rolle spielen. Aber wenn eine große Fettgewebsansammlung da ist, dann greift dieses Fettgewebe beispielsweise in den Hormonstoffwechsel ein.
Nicola: Ja.
Roehrborn: Das Fettgewebe bildet Testosteron. Adipöse Frauen haben oftmals einen erniedrigten Östrogenspiegel, einen erhöhten Testosteronspiegel, also das weibliche Geschlechtshormon Östrogen ist vermindert vorhanden, das männliche ist erhöht vorhanden. Darüber hinaus bildet das Fettgewebe Entzündungen
Nicola: Vielen Dank. Vielen
Roehrborn: die man nicht merkt und nicht sieht. Aber diese Entzündungsparameter kann man dem Körper auch nachweisen. Und die sind wahrscheinlich für den ganzen Körper, für den gesamten Organismus schädlich. Und dann gibt es eben Folgeerkrankungen, die Bauchspeicheldrüse kann überfordert sein, es entwickelt sich ein Diabetes. Aber das gilt nur in seltenen Fällen für übergewichtige Menschen oder für Grad 1 adipöse Menschen. Sicherlich ist bei Grad 1 adipositas auch schon ein gewisses erhöhtes Risiko da, solche Begleiterkrankungen.
Nicola: Vielen Dank.
Roehrborn: zu entwickeln. Beim Übergewicht würde ich eher sagen, nein, es nicht. Das kommt erst bei größeren Fettansammlungen in Frage.
Nicola: Jetzt liest man aber doch so oft, dass es heißt, man kann selbst von äußerlich betrachtet einen schlanken Körperbau haben. Aber eben dieses versteckte Fett, also dieses Bauchfett, dieses Viszerale zwischen den Organen, sei das Schlimme. Das haben sie ja, glaube ich, auch gerade schon angesprochen, die eben dann auch für stille Entzündungen mitverantwortlich sind. Was muss man als Leser davon halten? Zu sagen, Bauchfett ist schlecht. Punkt.
Roehrborn: Es gibt niemanden... Ja, das kann man sagen. Aber man kann von außen nicht sehen, ob das Bauchfett unter der Haut liegt oder ob es im Bauch ist. Aber man kann es schon beurteilen, man kann es fühlen. Wenn man seine Bauchwand anfühlt und da ist eine Speckrolle, dann ist das Fett außen und das ist okay. Und wenn dann den Eindruck hat, ⁓ da ist eigentlich eine ganz dünne Fettschicht und dann kommt die Muskulatur. Das ist nicht gut, weil...
Nicola: Ja. Ja.
Roehrborn: Wenn man dann einen Bauch hat, dann ist das alles inneres viszerales Fett. Diese Menschen sind auch niemals schlank. Es läuft niemand übrigens daher und ist im Geheimen fett im Bauch und sieht von außen schlank aus. Die haben so einen kugeligen Bauch, haben schlanke Beine, schlanke Arme, einen schlanken Thorax, aber der Bauch wölbt sich vor und wenn sie sich selbst betasten, dann können sie feststellen, dass die Bauchwand
Nicola: Ja. Ja.
Roehrborn: sehr dünn ist, also das Fett unter der Haut sehr dünn ist und das bedeutet, dass alles drin ist.
Nicola: Danke.
Roehrborn: Sie sehen bisschen aus wie Menschen, die Bauchwasser haben durch eine Lebererkrankung. Nur sind nicht so selten, solche Patienten. Die sind gefährdet, alle möglichen Begleiterkrankungen zu entwickeln. Das Fett unter der Haut oder sogar an den Hüften sind gesundheitsmässig überhaupt weniger bedeutend an den Hüften, spielt eine viel geringere Bedeutung als am Körperstamm.
Nicola: Ja. Ja. Mhm. Ja, ja. Gibt es denn unter dem Aspekt auch einen wesentlichen Unterschied bei Mann und Frau? Also bei einem Mann würde man sagen, hat eine Plauze, bei Frauen hat man ja oftmals im Zuge der Wechseljahre, dass sich der Bauch an sich verändert.
Roehrborn: Ja, bei Männern ist das Viszerale Fett häufiger und damit sind die auch gesundheitlich von Adipositas stärker betroffen. Sind aber insgesamt, es gibt eine interessante Karte im Internet, die man sich anschauen kann, ist in ZEIT online erschienen. Da ist differenziert weltweit, die Adipositas bei Frauen und Männern. Und nur in den USA ist die Adipositas bei Männern stärker verbreitet als bei Frauen. Im Rest der Welt sind eher Frauen betroffen als Männer. Warum das ist, kann ich jetzt nicht sagen.
Nicola: Ja. Okay. Das heißt, das ist aber unabhängig von den Wechseljahren oder würden Sie sagen, die Wechseljahre sind für Frauen schon auch noch mal unter den Gesichtspunkten ein Wendepunkt?
Roehrborn: Ja, das kann schon sein, aber die Untersuchung betrifft ja die gesamte Bevölkerung und damit die Wechseljahre. eingeschlossen, aber es sind auch die jüngeren Frauen enthalten.
Nicola: Wo wir beim Fett sind, man liest ja auch viel über weißes Fett und braunes Fett, ist ja schon auch das Thema, ist es fühlbar, das ist dann das weiße Fett, ja? Und das, was ich nicht fühlen kann, ist das braune Fett, kann man das so sagen?
Roehrborn: Ja, das braune Fett ist im Körper eigentlich ganz, ganz wenig. Das braune Fett ist da, wo das Fettgewebe dazu dient, den Körper zu polstern. Also braunes Fett hat man beispielsweise in der Fußsohle. Es wäre die Hölle zu laufen, wenn die Fußsohle nicht durch braunes Fett gepolstert wäre. ⁓
Nicola: Bis bald.
Roehrborn: Braune Fett enthält sehr kleine Fettzellen, sehr viele sehr kleine Fettzellen und das ist sehr fest. Normalerweise, sage mal das unschöne Wort, das gelbe Fett ist wabbelig. Das ist das braune Fett nicht. Das braune Fett ist fest und darauf laufen wir.
Nicola: Okay.
Roehrborn: Und genauso haben wir braunes Fett in den Handinnenflächen. Wir könnten nicht irgendwie kräftig zupacken, also in die Hand nehmen und feste greifen, wenn wir dabei
Nicola: Ja.
Roehrborn: auch unsere Knochen und Gelenke und so weiter drücken, dann ist das sehr unangenehm. Also auch die Handinnenfläche ist von braunem Fett gepolstert und davon haben wir eigentlich nur ganz wenig. Und das ist sicherlich unbedeutend, wenn wir uns Gewicht und Adipositas Gedanken machen.
Nicola: Ja. Warum komme ich auf diese Frage? Zum einen gibt es immer wieder mal Artikel, die Tipps geben, wie man das braune Fett auch als erwachsener Mensch vermehren kann. Zum Beispiel über eher Kälte statt Hitze. Und warum tun das Menschen? Weil sie sagen, das braune Fett, korrigieren Sie mich, das braune Fett verbrennt sozusagen und erzeugt Wärme und das weiße oder gelbe Fett, das wahrscheinlich optisch, wenn Sie den Bauch aufmachen, ist etwas, was deponiert wird vom Körper. Einfach evolutionsbedingt. Stimmt das so?
Roehrborn: Das sind experimentäre Sachen. Da kann man als Ottonormalverbraucher, als Mensch, der sein Leben lebt, keine Konsequenzen daraus ziehen.
Nicola: Also auch nicht aus diesem Kältereffekt, das eher, wenn man tendenziell nicht in zu warmen, also da sind ja wirklich auch Experten dabei, die sagen, naja, also lieber weniger heizen, hat noch andere Gründe, warum das besser sein kann, aber jetzt mal unter dem Aspekt. Oder immer eine Jacke weniger anziehen oder einen Pulli drunter weniger. Also latent eher zu frösteln, würde das fördern und damit auch die Fettverbrennung. Also muss man sagen, ist so, kann man machen, muss man nicht.
Roehrborn: Es sieht so aus, dass die Fettverbrennung zwar wahrscheinlich zwischen Individuen etwas schwankt, aber wir wissen ganz wenig darüber, was da passiert und warum es Unterschiede gibt. Wenn man in die Biochemie geht, dann weiß man, dass es bestimmte Stoffwechselwege und die finden im menschlichen Körper statt und da kommt so und so viel Energie für die Muskelarbeit dabei raus und so und so viel Wärmemarker entstehen.
Nicola: Ja. Mhm.
Roehrborn: Das war es dann. Wie der Körper das macht seinen Stoffwechsel zu verändern. Also was für mich am Eindrucksvollsten ist, dass Menschen die Gewicht verloren haben, sei es durch rigoroses Fasten, sei es durch eine Operation oder durch die GP1-Spritzen, die frieren. Und das liegt wahrscheinlich daran, dass der Körper die Reaktion hat festzustellen, ho! Hier ist das Essen knapp geworden. Der weiß offenbar nicht, dass oben im Gehirn entsprechende Entscheidungen gefällt worden sind. Das ist ihm nicht bekannt geworden. Und diese Menschen frieren und die müssen sich grundsätzlich warm anziehen, weil der Körper nicht mehr genügend Wärme produziert.
Nicola: Mhm.
Roehrborn: Und das macht er, die zugeführte Energie für Herzaktivität, für Muskelaktivität, für Stoffwechselwege zu nutzen, die nicht Wärme produzieren. Ich muss mal eben meinen Ladekabel an den Computer anschließen. So, jetzt geht's weiter. So ist das also mit der Wärmeproduktion. Das ist für mich immer sehr eindrucksvoll. Und was man auch denkt, das ist einer der Punkte, warum ich sage, die Adipositas-Chirurgie als Adipositas-Chirurg, die wirkt, weil diese Menschen haben eben diese Reaktion, sie frieren und sie sind kälteempfindlich geworden.
Nicola: Ja.
Roehrborn: Weil der Körper darauf reagiert und sagt, nee, nicht mit mir. Da muss ich jetzt meine ganzen Verhältnisse umstellen, so wie der Stoffwechsel bisher funktioniert hat. Das machen wir nicht mehr mit. Das berichten die Menschen alle. Das berichten auch die, die durch GLP1 abgenommen haben. Das ist nicht nur der Verlust des Fettmantels, der ja isoliert. Wenn man einen Menschen, der einen BMI von 24 hat, was schon für einen Erfolg einer operativen Maßnahme sehr niedrig ist,
Nicola: Ja, ich sehe.
Roehrborn: nebeneinander stellt, der immer 24 hatte und den operierten oder den, der sein Gewicht reduziert hat, auf welche Weise auch immer, und die fragt, wie empfindet die Temperatur, dann wird der, der das Gewicht verloren hat, die Temperatur kälter finden. Grundsätzlich.
Nicola: Das heißt aber, wenn ich die Abnehmenspritze nehme, dann scheint es ja so zu sein, dass das Sättigungsgefühl sich schneller einsetzt und mein Magen langsamer entleert wird. Kann man das so laienhaft sagen? Wenn Sie Adipositas operieren, was tun Sie dann und was bewirkt das? Dasselbe?
Roehrborn: Im grossen und ganzen ja! Das ist ja so, dass die Nutzung dieser Spritzen, GLP-1-Substanz, das kommt ja aus der Adipositas-Chirurgie. Man hat bei adipositas-operierten Menschen festgestellt, dass nach solchen Operationen, nach der sogenannten Magen-Bypass-Operation, das GLP-1 im Körper stark erhöht ist im Blut. Nur ist das eine Substanz, die so flüchtig ist im Blut. Im menschlichen Körper wird sie ständig nachproduziert. Aber sie ist so flüchtig, wenn man sie spritzt, dann ist sie im Nullkommanichts wieder weg.
Nicola: Ja. Ja.
Roehrborn: Deswegen hat es jahrelange Forschungsarbeit gebraucht, ⁓ Verwandte dieser Substanz herzustellen, die länger im Körper verbleiben, eine ganze Woche. Ursprünglich gab es Spritzen, die wirkten einen Tag lang. Und das war aber noch nicht so eine große Nummer.
Nicola: Ja, ja, ja. Ja.
Roehrborn: Und die hatten auch nicht die entsprechend starke Wirkung. Aber es hat eben große Forschungsanstrengungen gebraucht, bis man die Spritzen gefunden hat oder die Substanzen gefunden hat, die mit Wirkung für eine Woche spritzen konnte. Aber das Ganze kommt aus der Adipositas-Chirurgie letztendlich. Und damit ist es auch der gleiche Effekt. Zusätzlich wird aber auch noch der Magen verkleinert bei allen adipositas-chirurgischen Eingriffen. Das macht das Hungergefühl für den Patienten
Nicola: Ja. ⁓ ja, okay.
Roehrborn: gibt eine andere Qualität, würde ich mal sagen, weil die Größe des Magens passt mehr zum reduzierten Hungergefühl. Also die müssen eigentlich eher nicht erbrechen, sei denn sie essen zu viel, aber das geht dann ins Detail.
Nicola: Könnte man unterscheiden, also Übergewicht bedeutet, ist doch ein Mangel an Disziplin bei der richtigen Ernährung oder gesunden Ernährung. Adipositas wäre ein Mangel an Sättigungsgefühl.
Roehrborn: Das weiß ich nicht. Das weiß ich nicht und das weiß kein Mensch. Wir können den Menschen nur vor die Stirn schauen. Ich habe alle meine Mitarbeiter immer sehr darauf eingeschworen, nicht mit der Frage der Disziplin den Patienten zu kommen. Wir wissen nicht. Es gibt Selbstdisziplin und es gibt die Möglichkeit, sein Essverhalten zu ändern. Ja, möchte ich annehmen, aber ich kann nicht wissen, welcher Patient, welcher Mensch das in welchem Maße kann.
Nicola: Ja. Ja, ja. Vielen
Roehrborn: Und deswegen lohnt es sich auch nicht, zu diskutieren mit den Menschen. Jeder wird es so versuchen, wie er kann. Und was man vielleicht versuchen kann, ist, ihnen Handreichungen zu geben, Unterstützung zu gewährleisten. Aber es ist allgemein auch Konsens, dass man sagt, mehr als fünf Kilo sind praktisch nicht möglich als Gewichtsverlust durch Diätmaßnahmen.
Nicola: Und. Also dauerhaft 5 Kilo,
Roehrborn: Dauerhafte Gewichtsreduktion. Da gibt es eine interessante Untersuchung, sehr breit angelegt. Ich weiß nicht, ob Sie mal was gehört haben von dem Opti-Fast-System oder Opti-Fast-Technik, wie man sagt.
Nicola: Nein.
Roehrborn: Das ist in Deutschland in verschiedenen Zentren verbreitet und das müssen die Patienten zum großen Teil selber bezahlen. Das kostet dann zwischen 3.000 und 5.000 Euro oder so. Geht über ein Jahr. Und das ist das Maximale, was man an nicht medikamentöser und nicht operativer Betreuung erfahren kann. Da gibt es Ärzte, Ernährungsberater, Sportcoaches, Psychologen und sogar Einkaufsberater. All das wirkt zusammen.
Nicola: Vielen Genau, Ernährungsuntersprung. Und
Roehrborn: Und diese Menschen, die das durchlaufen erfolgreich, die nehmen ca. 30 % ab in einem Jahr. Das ist toll. Aber 35-40 % sind zu nennen schon mal Dropouts. Die halten das nicht aus und springen ab. Das ist ein Nachteil. Der zweite Nachteil ist der, wenn das Jahr zu Ende ist, dann nehmen die Patienten im Laufe von drei Jahren wieder zu, bis sie ein Gewicht erreicht haben, das
Nicola: Mhm.
Roehrborn: ihrem Ursprungsgewicht minus 5 Prozent entspricht. Und dann war es das. Dann kommt der Veranstalter OPTI-FAST oftmals und fordert sie zu erneuten zu Vertiefungsjahren auf, die dann erneut kosten und so weiter und so fort. Aber es ist eindrucksvoll zu sehen, in einer wirklich seriösen, groß angelegten Studie, Patienten verlieren Gewicht in eindrucksvoller Weise, wenn sie das Programm durchhalten können und danach
Nicola: Mh. Mh. Mh.
Roehrborn: nehmen Sie es langsam wieder zu, im Verlaufe von drei Jahren erreichen Sie dann einen Punkt, 5 Prozent oder Ausgangsgewicht minus 5 Prozent gilt. Und das ist das Maximum, was man an Einwirkung auf den Menschen, auf die Patientinnen und Patienten erreichen kann. Mehr geht nicht. Da müsste man ständig einen an der Hand haben, der einem sagt, nee, die ist nicht und lass das jetzt und so weiter und so fort, nicht.
Nicola: Mhm. Ja, ja. Ja, ja. Aber liegt das dann an der individuellen Epigenetik oder liegt es einfach daran, dass der Neandertaler in uns einfach mit dem Supermarktregal, wo all die Süßigkeiten liegen und dem dauernden Snacken den ganzen Tag einfach nicht zurechtkommt?
Roehrborn: Spielen viele einzelne Faktoren eine Rolle. Aber ich kann dann mal einen Punkt rausgreifen. Zucker gilt ja als außerordentlich böse und schlimmer noch als Fett. Nur wir haben Botschaften oder Programme in unserem Gehirn, die uns sagen, das ist süß, nimm das, gut für dich.
Nicola: Mhm.
Roehrborn: Das kommt aus einer Zeit, als die Menschen als wandernde Jäger und Sammler unterwegs waren und wenn sie irgendwo süße Beeren stießen oder so was ähnliches gefunden haben, dann signalisierte denen das Süße, aha, damit kriegst du sofort die Energie für den Rückweg oder sammeln uns mal ein, dann hast du auch noch die Energie, morgen wieder jagen zu gehen. Diese Message ist ja essentiell wichtig gewesen, dass die Menschen
Nicola: Ja. Puh, puh.
Roehrborn: ein Signal hatten, das musst du nehmen, das hilft dir und das ist energiereich. Bei uns ist heutzutage alles energiereich, da kann man hingreifen, wo man will. Und darauf ist dieses Neandertaler Gehirn nicht eingestellt. Aber die Reaktion im Gehirn, auf Süßes, die kann man im MRT nachweisen.
Nicola: Ja.
Roehrborn: darstellbar im MRT, dass ein Belohnungsreaktion aktiviert wird. Das kann man sogar sehen in einer Kombination von Fett und Süßem, die beispielsweise in Chips sehr gut gewährleistet ist. Aber Pferdefuß, die ist auch sehr gut gewährleistet in der Zusammensetzung von Muttermilch. Der Säugling lernt also als erstes Fett und Süß, das ist bei der warmen Mami, bei der alles gut ist, das kriege ich von der und das ist gut für mich.
Nicola: Belohnung, Dopamin-Ausstattung. Und das kriegen wir nicht mehr raus. Ja, einerseits gut, das kriegen wir praktisch nicht mehr aus unserem System raus. Oder nur sehr schwer. Das wäre die bildhafte Erklärung für alle, die sich ihr Leben lang, wie ich auch, immer wieder denken, naja, gut, warum kriegst es eine Zeit lang hin und warum? Klappt's es dann doch wieder nicht, egal ob Weihnachten kommt oder nicht, wo die süßen Versuchungen noch mal bisschen höher sind. Aber...
Roehrborn: Und ja, doof, ne? So ist es aber. Hm, was ist das? Ja.
Nicola: Es liegt nicht nur an fehlender Selbstdisziplin.
Roehrborn: Nein, weil der Körper sagt, jetzt reicht es mir aber endgültig. Ich beispielsweise, ich gehe nochmal einen Schritt zurück oder Bewegung seitwärts ich betreue eine Patientin und habe sie betreut. Jetzt macht es jemand anders, weil ich ja im Ruhestand bin. Der habe ich das GLP-1 von NovoNordisk in der niedrigsten Dosierung verschrieben. Alle zwei Monate ein Rezept ausgestellt. Und die sagt, damit habe ich 10 % verloren, reicht mir. Mehr nicht, aber das brauche ich und da bleibt sie bei.
Nicola: Ja. Ja.
Roehrborn: Die spritzt einmal die Woche die niedrigste Dosierung von Wegovy und ist völlig zufrieden. Und wenn ich das Ganze so gedanklich durchdringe, die
Nicola: Ja.
Roehrborn: Die Entwicklung von diesen sehr süßen Nahrungsmitteln, das ist ja so die menschliche Geistesleistung, die sind ja nicht vom Himmel gefallen. Das Gewinnstreben spielt eine große Rolle dabei, die hat niemand aus Menschenfreundlichkeit sich ausgedacht. Oder vielleicht ursprünglich mal, aber da waren sie weniger verfügbar, da gab es vielleicht den Zucker nur aus dem Zuckerrohr. Und wenn jetzt die Menschen sich ausdenken, ja gut, ist alles schön, lecker, wunderbar, schmeckt toll. Aber es hilft uns nicht weiter und jetzt haben sich die GLP-1-Agonisten ausgedacht und in Zukunft auch als Tablette verfügbar. Dann ist das okay. Dann ist das eine Reaktion darauf, was man früher sich entwickelt hat und ausgedacht hat. Und das fabulöse menschliche Gehirn ist jetzt hingegangen und gesagt, so gut sind die Wirkungen nicht von diesem wunderbaren Zucker. Also müssen wir jetzt mal irgendwie so einen Zuckerstopper entwickeln. Und da ist er. Es werden sicherlich noch weitere kommen und weitere Entwicklungen kommen. Deswegen verteufle ich das in keiner Weise. Es ist das Problem, dass es so unglaublich teuer ist und eigentlich nur für eine kleine Bevölkerungsgruppe zur Verfügung steht. Aber ich glaube, das wird in Zukunft auch billiger werden und wird für mehr Menschen zur Verfügung stehen. Und wird Menschen ermöglichen, a, ihr Wunschgewicht, es ist ja auch wichtig, dass der Mensch sich in seinem Körper wohlfühlt, aber b, auch ihr gesundes Gewicht zu erreichen und zu halten.
Nicola: Ja. Ja, ja, so mein.
Roehrborn: ich glaube aber, es ohne diese Medikamente nur für sehr wenige Menschen möglich ist, nachhaltigen, großen Einfluss auf ihr Gewicht zu nehmen. 5 Kilo? Ja, die Anstrengungen, die dazu erforderlich sind, die sind groß, aber das wird gehen. Darüber hinaus ist immer schwierig.
Nicola: Ja, das beruhigt mich schon. Ich muss wirklich sagen, meine Seele wird von Ihnen gestreichelt, weil das Thema Selbstdisziplin, das musst du doch hinkriegen. Du bist hier eine gestandene Frau, stehst im Leben, hast ein Unternehmen aufgebaut. Dann scheitert man dauernd an den Süßen oder Fetten. Jeder hat ja seine kleinen Sünden. Das Zwei. Das Zweite ist aber auch, dass man denkt, man liest natürlich auch gerade im Zusammenhang auch mit der Abnehmenspitze ja sehr viel über das auch bestimmte, also die Biomarker sich verbessern.
Roehrborn: Natürlich, die Spritze führt zu einer Verbesserung der Zuckerstoffwechsellage, der Fettstoffwechsel wird verbessert, all das ist mit der Spritze genauso erreichbar wie mit jeder anderen Abnehmeform.
Nicola: Na, also, okay. Wäre das dann schon auch der Weg zu sagen, dass darüber unabhängig jetzt mal vom Körpergewicht an sich oder dem Abnehmwunsch auch das Thema Langlebigkeit ja einen neuen Auftrieb bekommt?
Roehrborn: Ja, würde ich sagen. Wir müssen aber sehen, dass die Unterschiede der Lebenserwartung zwischen den verschiedenen Gewichtsgruppen bis zur Adipositas eins einschließlich wirklich nicht groß sind, wie ich schon dargestellt habe. Sie werden nachweisbar, wenn sie fünf- bis sechsstellige Zahlen von Patienten untersuchen. Da können Sie Unterschiede nachweisen. Aber dann ist für das Individuum die Unterschiede durch das eigene
Nicola: Ja, das haben sie gesagt. Ja. Ja.
Roehrborn: genetische Risiko, das wir mit uns tragen, dass wir einen Tumor entwickeln können oder nicht. Und durch den Lebensstil, den wir haben, ob wir nun rauchen oder nicht und diese oder eine andere Gewohnheit haben. Die Unterschiede spielen dann eine viel größere Rolle als das Gewicht. Also wenn es an Adipositas 2 und 3 geht, dann ist das Gewicht lebenszeitbegrenzend. Ja, da gibt es eine eindrucksvolle Untersuchung davon.
Nicola: Ja. Ja. Ja. Ja. Ja, okay.
Roehrborn: Die betrachtet allerdings nur Adipositas einschließlich eins. Die kommt aus, ich glaube, Finnland oder Dänemark, aber auch jedenfalls Skandinavien. Dort hat man eine große Zahl von Rekruten bei der Musterung als Studienteilnehmer rekrutiert und hat dann gesagt, die einen sind adipös, die anderen nicht. In zwei Gruppen, da sind also alle Gruppen von Adipositas eingeschlossen.
Nicola: Ja.
Roehrborn: Und dann hat man die im Alter von 50 Jahren, also eine von diesen wertvollen Langzeituntersuchungen, von denen es nicht so viele gibt, im Alter von 50 Jahren hat man die wieder untersucht und dann geguckt, wie Lebensqualität war. Derer, die bei der Musterung adipös waren, versus deren, derer, die normalgewichtig waren. Und das ist katastrophal,
Nicola: Ja. Mhm.
Roehrborn: wie viel schlechter die Adipösen abgeschnitten haben. 10 Prozent waren schon von vorn an tot. Bei den anderen gab es Schlaganfälle, Diabetes, Herzinfarkte, Thrombosen, Embolien und so weiter und so fort. Das ist eine Studie, die wirklich einen erschaudern lässt, wie die Wirkung der Adipositas ist. Aber man muss jetzt auch sagen, ich habe anfangs gesagt, ja, da waren auch die Erstgradigen eingeschlossen. Ja.
Nicola: Ja.
Roehrborn: Aber die Erstgradigen schreiten natürlich vom Musterungsalter bis zum 50. Lebensjahr gern zu Grad 2 und Grad 3 fort und bilden dann die Gruppe, die tatsächlich von diesen Adipositas Folgen, betroffen ist. Das wird also so sein, dass die Weiterentwicklung der Adipositas im Leben dieser Patienten dann dazu geführt hat, dass sie... Aber das ist eben reales Leben. Das ist jemand, der mit 20 Jahren bei der Musterung erstgradig adipös ist.
Nicola: Ja. Ja, ja, ja.
Roehrborn: Der wird in vielen Fällen fortschreiten. Und das Fortschreiten zu verhindern ist vielleicht einfacher, als das Gewicht zu senken, wenn man sich das bewusst macht, welche Risiken das birgt. Das ist eine sehr eindrucksvolle Studie. Ich kann Ihnen die auch gerne mal zukommen lassen.
Nicola: Vielen Dank. Sehr gerne. Und dann schauen wir mal, was wir davon noch auch in Folge weitergeben. Weil ich sag mal, der Wunsch, Gewicht zu verlieren, abzunehmen, Wohlfühlgewicht, egal wie man es nennt, der ist ja etwas, was nicht nur bei den guten Vorsätzen jedes Jahr aus Neue aufkommt, sondern was einen ja letztendlich durchs Jahr und durch den Alltag immer wieder begleitet. Jetzt habe ich noch zur Abnehmenspritze eine abschließende Frage. Das hat man jetzt auch gelesen, weil ein bekannter Künstler, ein beliebter Robbie Williams, hat sich dazu bekannt, dass er auch die Abnehmenspritze nimmt. Wir reden jetzt nicht über was im Gesicht passiert, wenn zu schnell abgenommen wird, sondern der kann schon nachvollziehen, dass er Seh schwach wird. Es ist auch schon die Verbindung als Nebenwirkung zu der Abnehmenspritze gezogen worden. Und da sieht man mal, wie hoch der Leidensdruck ist. Da sagt, das nimmt er lieber in Kauf, blind zu werden, als die abnehmenden, auf die positiven Auswirkungen der Abnehmenspritze zu verzichten.
Roehrborn: Ja? Ja. Okay. Dann würde ich mich operieren lassen. Blind würde ich nicht so gerne. Operieren hat natürlich auch ein Risiko, ist nicht risikofrei, um Gottes Willen. Aber dann hat man diese Langzeitrisiken nicht. Die Langzeitrisiken nach der Operation sind für den Patienten kontrollierbar. Der kann sagen hier, ich muss meine Nahrungsergänzungen einnehmen und ich mache das in disziplinierter Form und ich pass auf und ich gehe zur Nachsorge, Untersuchung und Kontroll, dass in meinem Körper alles richtig läuft. Die Operation macht
Nicola: Ja. Ja, ja. Mmh. Ja, ja, ja, ja.
Roehrborn: nicht aus einem kranken adipösen Menschen, einem gesunden, schlanken Menschen. Sie ist ein tiefer Eingriff in die Selbststeuerung des Organismus. Und diese Regulation muss dann weiter fortgeführt werden. Das heißt, der Patient bedarf der Kontrolle von außen, der Unterstützung, der Beratung und so weiter und so fort. Aber das ist nichts, was ihm schadet, sondern man muss ihm nur sagen,
Nicola: So ist es.
Roehrborn: nimm diese Vitamine jetzt zusätzlich ein und dann wird alles gut und er läuft nicht Gefahr zu erblinden oder so was. Man kann alle negativen Folgen kontrollieren und ausschließen. Das ist anders als bei der GLP-1-Splitze, das muss man sagen. Aber auf der anderen Seite ist es wohl 1 zu 75.000 die Wahrscheinlichkeit diese Augennebenwirkung zu kriegen. Das sind wir auch wirklich sehr, sehr wenig.
Nicola: Ja. Ja, Okay. Okay. Nichtsdestotrotz.
Roehrborn: Das ist in dem Hinblick, man bei vielen Arzneimitteln den Kauf nimmt, ohne jede Frage.
Nicola: Ja, ja, ja. Also zum einen ist es in dem Fall eine bewusste Entscheidung, einfach die Diskussion, wie ich finde, gut ins Rollen bringt, zu sagen, es gibt eben auch Nebenwirkungen, dass man sich das bewusst macht. Wie Sie auch sagen, was sind die Alternativen dazu? Magenverkleinerung und andere chirurgische Eingriffe, wo ich jetzt auch verstehe, klar, macht auch Nahrungsergänzung dann Sinn, weil ich ja weniger esse. Also ich muss gucken, dass ich den Nährstoff und die Dichte dessen, was ich zu mir nehme, auch wirklich weiter beobachte. Komme ich zur allerletzten Frage an Sie, an die 100 plus Expertenfrage beziehungsweise Tipp, wenn Sie uns nur eine Maßnahme mit auf den Weg in den Alltag geben könnten. Was wir tun sollten, ⁓ besonders gut und möglichst lange dabei alt zu werden. Was würden Sie uns da raten?
Roehrborn: Nicht hungrig einkaufen und zu sehen, dass so Sachen wie Süßigkeiten im Übermaß, Chips, all das, als ungesund und gewichtigsteigend erkannt ist, gar nicht erst im Einkaufswagen landen, damit auch nicht zu Hause sind. Keine Lieferdienste in Anspruch nehmen, Nahrung selber zubereiten. Ein Ernährungsberater hat mal gesagt, iss nichts, was nicht auch deine Großmutter als Essen erkannt hätte. Und Bewegung. Bewegung ist für die Langlebigkeit ganz unabhängig vom Gewicht.
Nicola: Mhm. Mhm. Mhm. Mhm.
Roehrborn: unfassbar wichtig. Wir können das nicht auseinanderhalten, weil es gibt keine Studien, keine Untersuchungen, wo Menschen im Käfig sitzen und schlank sind und sich nicht bewegen. Und wir gucken nach, was aus denen wird und andere dürfen sich bewegen und sehr adipös oder sonst was. Kurioser Blödsinn. Aber Sie verstehen, was ich sagen will. Das ist nur, sehr kurz gesagt, aber Bewegung ist so wichtig, dass man sicherlich auch beispielsweise ein gering erhöhtes
Nicola: Vielen Dank.
Roehrborn: Lebenserwartungsrisiko, also eine geringverminderte Lebenserwartung, statistisch aufgrund von leichter Adipositas mit Bewegung kompensieren kann.
Nicola: Und doch war ihr erster Eingebung, sozusagen das, was einen dazu verleitet, immer wieder zuzugreifen, also süß, fettig und salzig, erst gar nicht in die Nähe zu bringen.
Roehrborn: Das liegt mit daran, dass das unser Gesprächsthema war. Wie geht das mit der Adipositas und mit dem Essen? Bewegung war der zweite Impuls, weil das eigentlich in unserem Gespräch jetzt nicht thematisiert war.
Nicola: Mhm. Genau. Würden Sie aber an erster Stelle setzen vor Ernährung? Ich weiß, das ist schwierig, aber nur, damit wir so ein bisschen ... eine Priorisierung, die wir ja alle ... gleichberechtigt. Also, es nützt nichts, sich nur zu bewegen und dabei, ich sag jetzt mal, schlecht zu essen. Oder nur gut zu essen und sich nicht zu bewegen. Meistens bedingt das eine das andere auch. Wenn man damit anfängt, merkt man das auch.
Roehrborn: Leicht verreist. Leicht verreist. Leicht verreist. Ja.
Nicola: Wunderbar. Sehr salomonisch zum Abschluss. Aber nicht nur, dass sie mir geholfen haben, so ein bisschen netter mit mir selbst umzugehen. Ich muss jetzt auch sagen, dass ich die kleinen Röllchen an meiner Hüfte und am Bauch, also ich gucke jetzt bisschen, merk schon, gucke jetzt bisschen liebevoller da drauf und denke mir, ja, zu schlecht ist das Fett da gar nicht. Das ist eine andere Sache.
Roehrborn: Das ist ein lustiger Name, das ich.
Nicola: die ich aus unseren Gesprächen mitnehme. Vielen Dank schon mal dafür. you make my day. Das kann man schon mal sagen. Sehr spannend. Es gibt noch ganz viele Themen, auf die wir jetzt gar nicht zu sprechen gekommen sind, aber es war schon sehr, sehr interessant und hilfreich, das, was wir jetzt schon in dieser halben Stunde miteinander besprechen konnten. Erst mal herzlich Dank dafür für heute und ich wünsche Ihnen noch einen ganz wunderbaren, fröhlichen Tag.
Roehrborn: Okay. ⁓ Absolut.
Nicola: Auch beim nochmaligen Anhören dieses Gesprächs, ich wiederhole mich gerne, ich gehe wirklich fröhlich mit all den Informationen, die uns Dr. Röhrborn mit auf den Weg gibt, gehe ich wirklich fröhlich wieder weiter in meinem Leben. Es ist doch eine totale Erleichterung zu wissen, dass das ein oder andere Kilo an meiner Hüfte nicht den Ausschlag gibt, ob ich gut und lange lebe. Das ist doch gerade für uns die seit Jahrzehnten mit diesem Jojo-Effekt, dass Zu- und Abnehmens sich beschäftigen müssen, finde ich eine sehr erleichternde Aussage. Ich finde es auch sehr erleichternd für Menschen, die bislang denken, die Selbstdisziplin muss man doch aufbringen, ⁓ auch mehr Kilos abzunehmen. Nein, es geht nicht nur um Selbstdisziplin, es geht eben auch ⁓ eine krankhafte Störung des Sättigungsgefühls. Und dass da die Abnehmenspritze einfach neue Möglichkeiten bietet, finde ich eine sehr pragmatische Herleitung, die uns da Dr. Röhrborn mit auf den Weg gibt. Was ich auch nicht wusste, ist, wie einfach es ist, an seinen eigenen Fettrollchen festzustellen, ob ich eben von dem eher schlechten Fett, dem viszeralen Fett betroffen bin oder nicht. Also dem Fett, das sich zwischen die Organe legt. Unter die Muskeln und deswegen nicht als Speckrolle wie bei mir zu fühlen ist, sondern zwar einen Bauch hat, aber eben der Speck nicht drüber ist, sondern drunter liegt. Neu für mich war dabei, dass es wirklich die Männer mehr betrifft als uns Frauen. Und ich finde es einfach gut zu wissen, dass es eben diese geschlechtsspezifischen Unterschiede So wie eben auch die Krebsforscherin. in einem der letzten Podcasts auch für mich ganz neu einfach herleiten konnte, dass die Chromosomenausstattung bei den Frauen dafür zuständig ist, dass wir nicht so oft Krebs bekommen wie die Männer. Und dass das Risiko eben bei Männern mit der XY-Ausstattung fast ⁓ das Doppelte höher ist. Wenn man diese Dinge weiß, dann kann man doch entsprechend auch reagieren und das, ich sag mal, sein Verhalten, in sein Leben, in seinen Vorsorge ja mit einbauen. Und dieses viszerale Fett, das beschäftigt mich ja schon seit längerem, weil das ist ja dafür zuständig, unter anderem für die stillen Entzündungen im Körper, die im Alter ja zunehmen und die eben auch unter anderem dafür zuständig sind, den Alterungsprozess zu beschleunigen. Darauf aufmerksam gemacht hat mich ja die Mikrobiomexpertin. Und mit ihrem Hinweis, mehr Ballaststoffe zu essen, ist was bei mir passiert die letzten Monate her. Ich habe abgenommen. Ich habe nicht abgenommen, weil ich abnehmen wollte, sondern weil ich mich auf die Ballaststoffe konzentriert habe. Ein komplett neues Gefühl für mich und für mich ein Wendepunkt wirklich in meiner Ernährung und meiner eigenen Wahrnehmung, wie ich zu meinem Wunschgewicht komme. Ganz ehrlich. Auf Ballaststoffe setzen. Ballaststoffe sind dafür zuständig, dass sie im Darm fermentieren und zu Butyraten werden, zu kurzkettigen Fettsäuren, die was machen? Unsere Darmbarriere, unseren Darmschutz erhöhen und damit die schlechten Bakterien nicht durchlassen, damit die sich im Körper verbreiten und eben unter anderem die stillen Entzündungen dann auch verursachen, sondern eben im Darm drin bleiben und bestenfalls auch wieder ausgeschieden werden. Und mit diesem Hinweis, ja, Gewicht zu verlieren, zeigt, wie unterschiedliche Ernährungsschwerpunkte oder ein anderer Blick darauf reicht, etwas zu erreichen, wo man an anderer Stelle, ich erinnere Süßes und Fettes, schon mit der Muttermilch, ja, seit Jahrzehnten scheitert. Wer sich nochmal das mit den Ballaststoffen anhören will? Hier der entsprechende Podcast dazu. Und noch mal eine kurze Herleitung, warum Ballaststoffe ja unser Leben wirklich verlängern können. Das ist, dass der Blutzuckerspiegel senkt. Das bedeutet, dass wir nicht mehr diese Heißhungerattacken übrigens haben. Das bedeutet, ich lese es hier noch mal ab, Diabetes damit vermeiden können, zumindest das Risiko damit senken. Es verbessert die Verdauung, ist per se schon ein viel besseres Gefühl. Es hemmt eben den Appetit oder den Hunger, indem es eben das Sättigungsgefühl erhöht. Automatisch weniger Gewicht, das hat bei mir voll funktioniert. Weniger Gewicht bedeutet ja unter anderem auch weniger Gefäßerkrankungen. Weniger Gewicht bedeutet ja auch unter anderem, dass das Cholesterin, das zum Beispiel auch bei mir immer leicht erhöht ist, hoffentlich in Zukunft sich senken wird. Ich werde es bei der nächsten Blutuntersuchung dann vielleicht schon als Ergebnis hoffentlich sehen können. zum Gespräch mit Dr. Röhrborn. Was bei mir auch noch hängen geblieben ist, ist diese Sicht darauf, noch mal zu achten, genügend Nährstoffe aufzunehmen. Das gilt für die Menschen, die einen verkleinerten Magen haben und weniger Nahrung aufnehmen. Das gilt für die Menschen, die die Abnehmensspritze nutzen, weil die ja weniger Appetit haben. Und es gilt für Menschen wie mich, die übers Intervallfasten eigentlich am Tag nur zweimal essen wollen und deswegen da noch mehr drauf achten müssen, dass sie alle Nährstoffe zu sich nehmen. Deshalb habe ich mir überlegt, dass in den nächsten Podcastfolgen auf jeden Fall noch mal das Thema Nährstoffe vielleicht auch in Verbindung mit Nahrungsergänzung ein Thema sein wird und dass auch noch mal zu den Themen Nährstoffen. Diese Zusatzstoffe, uns die Lebensmittelindustrie immer gerne noch ins Essen mit reingibt, ⁓ übrigens an guten Zutaten zu sparen, dass das nochmal Thema sein kann in den nächsten Podcast-Folgen. Also das Thema Ernährung gibt sowieso so viele gute Themen her, da wird es uns nicht an guten Ideen und Input mangeln. Bis dahin wünsche ich euch wie immer eine herrliche, eine fröhliche Zeit. Kommentiert bitte gerne eure Meinung, eure Ergänzungen und Ideen in den Kommentaren. Abonniert gerne diesen Podcast, wenn ihr sagt, das gibt mir so bisschen Inspiration und Motivation, anders durchs Leben zu gehen, mit dem ein oder anderen Expertenhinweis auch meine Routinen zu überdenken. Und wenn du jemanden kennst, der auch sagt, hey, ich möchte mein bestes, mein letztes Leben leben, dann empfehle doch diesen Podcast gerne weiter. Bis zum nächsten Podcast. Eure Nicola in Düsseldorf.
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